Länderspiel gegen die Türkei : Fußballer-WG am Potsdamer Platz - vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren reiste die Nationalmannschaft zum Türkei-Spiel an. Während der DFB-Tross am Potsdamer Platz Quartier bezog, wohnten die türkischen Spieler zunächst bei Potsdam und zogen danach an den Gendarmenmarkt um. Was André Görke darüber schrieb.

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Wenn sich Wulff und Löw Guten Tag sagen: Vor dem Länderspiel gegen die Türkei wird der Bundespräsident den Bundestrainer und seine Mannschaft für den dritten Platz bei der WM in Südafrika ehren.
Wenn sich Wulff und Löw Guten Tag sagen: Vor dem Länderspiel gegen die Türkei wird der Bundespräsident den Bundestrainer und seine...Foto: dpa

Ob sie dem schwarzen Bus wieder ein neues Kennzeichen angeschraubt haben? „F-NM 2010“ steht auf dem bisherigen Nummernschild. Kenner nicken wissend und dechiffrieren Zahl und Buchstaben: Das ist der Bus der „NM“, der Nationalmannschaft mit Sitz in Frankfurt am Main, deshalb das „F“. Nun ist allerdings nicht mehr die WM das Ziel, sondern die Europameisterschaft in zwei Jahren in Polen und der Ukraine. „F-NM 2012“ also?

Berlin wird’s diese Woche erfahren, ab Montag ist der Bus mit den besten Fußballern des Landes in der Innenstadt zu sehen. Die deutsche Nationalmannschaft um Bundestrainer Joachim Löw bezieht dann nämlich ihr Quartier im Hyatt-Hotel am Potsdamer Platz, wo sie früher schon wohnte. Bis 23 Uhr müssen die Spieler eintreffen, das ist Vorschrift vom DFB. Das Länderspiel gegen die Türkei findet am Freitag im Olympiastadion statt.

Vier Nächte bis zum Anpfiff verbringen Bastian Schweinsteiger und Kollegen auf ihrer reservierten Etage im Hyatt. Tagelange Vorbereitung ist wichtig, schließlich ist es kein Freundschaftsspiel mit Küsschen und Blumenstrauß; die beiden Mannschaften spielen um die EM-Qualifikation. Deshalb reist auch die türkische Mannschaft schon am Montag an, mit Flug TK 3555 von Turkish Airlines landet sie um 13 Uhr in Tegel. Von dort fährt die Truppe ins Hotel Resort Schwielowsee, südlich Potsdams. Ab Donnerstag wohnen die Türken dann in Berlin: Sie haben ihre Zimmer im Regent am Gendarmenmarkt reserviert.

Vor den Hotels dürften Autogrammjäger Erfolg haben, am Dienstag reicht es für die deutschen Fans vermutlich nur zum Schnappschuss aus großer Entfernung – aber immerhin mit großer Kulisse. Um 14 Uhr wird die Nationalmannschaft im Schloss Bellevue von Bundespräsident Christian Wulff empfangen. Er hatte angekündigt, die Fußballer für ihre Erfolge bei der WM in Südafrika auszuzeichnen. Er selbst hatte sie bei einem Spiel in Pretoria gesehen. Die Spieler erhalten am Dienstag das Silberne Lorbeerblatt, Trainer Löw erhält den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Am Mittwoch dann gibt Bundestrainer Löw die Pressekonferenz zum Spiel bei Mercedes am Salzufer; abends ist Manager Oliver Bierhoff beim Integrationspreis des Berliner Fußball-Verbands, der auf dem BSR-Gelände an der Tempelhofer Ringbahnstraße verliehen wird. Die deutsche Fußballverbandsspitze trifft sich schließlich am Freitagmittag zum traditionellen Länderspiel-Dinner mit den türkischen Kollegen. Die Tische haben sie im Gourmet-Restaurant „Hugos“ reserviert, also im Hotel Interconti in der Budapester Straße.

Karten für das Länderspiel am Freitagabend, 20.45 Uhr, gibt es nicht mehr. Das Olympiastadion ist schon lange ausverkauft. Doch auch die vielen Wirte in der Stadt haben schon über die Monitore ihrer Fernseher gewischt; das Interesse ist enorm. Am Freitag soll am Kreuzberger Oranienplatz ein türkisches Fest anlässlich des Länderspiels stattfinden.

Die Spieler werden vom Trubel nicht viel mitbekommen. Sie bleiben wohl am Potsdamer Platz, vielleicht bummeln sie ja durch die Arkaden und trinken einen Kaffee. Trainiert wird bis Freitag hinterm Olympiastadion. Und zwar auf dem Wurfplatz in Westend, gleich neben den Profis von Hertha BSC. Das Gelände ist abgeriegelt, ein öffentliches Training gibt es nicht, teilte der Fußball-Bund mit.

Am darauf folgenden Montag reist die Nationalmannschaft gemeinsam wieder ab. Um 10 Uhr geht es von Tegel mit dem Flugzeug nach Kasachstan – zum nächsten Länderspiel.

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren"

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