Berlin : Ländervertretungen von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg unter gemeinsamen Dach

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Die Idee, dass Nachbarn gemeinsam ein Doppelhaus bauen und später in der großen, zweiteiligen Stadtvilla miteinander leben, machte alle Beteiligten an der gestrigen Zeremonie der Grundsteinlegung für den Neubau der Landesvertretungen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern irgendwie froh. "Wir haben die besten Voraussetzungen für eine harmonische Wohngemeinschaft. Unter dem gemeinsamen Dach aber werden beide Länder ihre eigene Identität bewahren, ihre spezifischen Interessen verfolgen und sich als die Schaufenster ihrer Länder in der Bundeshauptstadt präsentieren", blickte Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe voraus, und für seinen Kollegen Harald Ringstorff ist mit diesem Doppelhaus-Neubau ab August 2001 "Mecklenburg-Vorpommern dem Regierungssitz in Vorgartennähe gerückt".

Neben dem Areal der einstigen Neuen Reichskanzlei entsteht in den Ministergärten ein Gebäudeensemble mit einem Foyer, das beide Hausteile miteinander verbindet. "Die Struktur der klammerartig versetzten Gebäudewinkel repäsentiert die Dualität der Nutzung, bringt sie gleichwohl in eine Balance zwischen der Einheit des Ganzen und der Individualität seiner Teile", sagt Architekt Meinhard von Gerkan. Bei der Gestaltung der Fassaden einigte man sich auf eine Verkleidung mit großen Schieferplatten und mit Holz. Die Schweriner Finanzministerin Sigrid Kehler, die im Dialog mit ihrer Potsdamer Kollegin Wilma Simon die Einleitungsrede hielt, sagt zu dem ungewöhnlichen Fassadenmaterial: "Die preußisch anmutende Kargheit in der Gestaltung und hanseatisches Understatement sind an dieser Stelle am ehesten angebracht, das passt auch zu unseren beiden Bundesländern, die ja nicht zu den reichsten gehören".

Manfred Stolpe kam auch auf die Art der Hausgemeinschaft zu sprechen: "Manche mögen sich wundern, dass unter dem Dach des Neubaus nicht die Berliner als Mitbewohner einziehen werden. Es hätte auch anders kommen können. Aber noch ist das gemeinsame Land nicht beschlossen." Berlin hat seine Vertretung ein Stückchen weiter in der Wilhelmstraße, und Bürgermeister Klaus Böger freute sich über "diese pikante Wohngemeinschaft", sieht aber "noch in diesem Jahrhundert" die Chance, "dass wir uns in gemeinsamer Formation wiederfinden": Jedenfalls sei Brandenburg für Berlin nach wie vor eine umworbene Braut.

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