Berlin : Lärm-Streit schadet Wirten

Gastronomen der Dach-Straße fürchten Abwanderung der Gäste

Thomas Loy

Der andauernde Streit zwischen Anwohnern und Wirten in der Simon-Dach-Straße schlägt sich jetzt offenbar in der Kasse nieder. Wegen der 22-Uhr-Sperrstunde für die Schankvorgärten müssten viele Kneipiers um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten, sagt zum Beispiel der Gaststätteninhaber Bülent Celebi. Die Besucher wanderten zunehmend in die Nebenstraßen ab, wo es keine Konflikte mit den Anwohnern und keine Sperrstunde gibt.

Der seit Jahren schwelende Streit um den Kneipenlärm in der Simon-Dach-Straße war vor kurzem eskaliert. Auf das Auto der Anwohnerin S. wurde ein Brandanschlag verübt. Hinweise auf die Täter gibt es nicht, aber für die Anwohner scheint eindeutig, dass jemand aus den Reihen der Wirte dahinter steckt. Celebi glaubt das nicht. „Der Anschlag hat vor allem den Wirten geschadet.“ Man sei gerade dabei gewesen, mit Frau S. und einigen anderen Anwohnern, die sich beschwert hätten, gütliche Lösungen zu finden. Nun seien die Fronten wieder verhärtet.

Die Anwohnerinitiative „Die Aufgeweckten“ hatte außerdem die „aggressive Expansionspolitik eines türkischen Familienclans“ kritisiert. Dabei könne davon überhaupt keine Rede sein, sagt der gebürtige Kurde Celebi. Weder gebe es einen türkischen Familienclan noch eine Expansionspolitik.

Viele Wirte bemühten sich, den Lärm zu reduzieren, etwa mit schweren Markisen und gummierten Ketten zur Sicherung der Terrassenstühle. Doch unter den Gaststättenbetreibern gebe es auch schwarze Schafe, die solche freiwilligen Auflagen nicht akzeptierten.

Bülent Celebi und drei weitere Kneipiers haben Ausnahmegenehmigungen beim Bezirksamt beantragt. Sie wollen wie am Boxhagener Platz die Sperrstunde in der Woche auf 23 Uhr und am Wochenende auf 24 Uhr verlegen. Ein Antrag werde wohl durchkommen, sagt der zuständige Stadtrat Franz Schulz. Bei den übrigen Kneipen seien die Lärmgutachten unzureichend.

Dass von rund 30 Wirten in der Simon-Dach-Straße nur vier überhaupt einen Antrag gestellt haben, empfindet Schulz als „sehr enttäuschend“. Offenbar seien nur wenige Inhaber bereit, etwa die Platzzahl im Schankvorgarten zu verringern. Wenn sich alle Wirte zusammengetan hätten, um ein gemeinsames Konzept zur Lärmminderung umzusetzen, hätte die Sperrstunde 22 Uhr fallen können. „Aber hier kämpft jeder gegen jeden.“

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