Lärmbelästigung : Friedrichshain will lieber Frieden als Touristen

Hinterhöfe und Wohngebäude in Friedrichshain sollen künftig von Partys und Lärmbelästigung verschont werden – zumindest, wenn der Lärm von Hostel-Bewohnern ausgeht. Auf Initiative von Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) wurden die Bedingungen für Hostel-Eröffnungen verschärft.

Karin Schädler

Schulz sagt, die Konflikte mit Anwohnern hätten in Friedrichshain zugenommen. Immer mehr Bewohner hätten sich bei Veranstaltungen kritisch gegenüber Tourismus geäußert. „Es ist noch nicht so, dass die Bewohner Wut oder Hass äußern“, sagt Schulz. Deshalb müsse man sofort gegensteuern. „Wir wollen schließlich, dass die Akzeptanz von Tourismus im Bezirk bleibt.“

Ein Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg am vergangenen Mittwoch sieht scharfe Kriterien für die Eröffnung von Hostels in Friedrichshain vor: In reinen Wohngebieten dürfen höchstens noch kleine Hostels mit unter 100 Betten eröffnet werden, aber auch nur, wenn im Umfeld keine anderen Hostels sind und der Zugang nicht über einen Hof erfolgt. Die Befürworter von Grünen, SPD und Linken sehen die Kriterien als „geeignete Steuerungsinstrumente“ für die Ansiedlung von Hostels, während CDU und FDP dagegen stimmten.

Hotelunternehmer Nizar Rokbani wünscht sich dagegen eine Einzelfallprüfung. Die von ihm gegründete Meininger-Gruppe besitzt mehrere Hostels in der Stadt, davon zwei in Kreuzberg. Rokbani hält es grundsätzlich für richtig, dass der Bezirk Steuerungsinstrumente schaffen möchte, um die Anwohner zu schützen. „Aber die Kriterien sollten dazu dienen, die Spreu vom Weizen zu trennen“, sagt Rokbani. Was beschlossen wurde, sei „zu schwammig“. Zwar gebe es in der Hostel-Szene auch schlechte Betreiber, aber manche würden sich große Mühe geben, die Lärmbelästigung gering zu halten. „Wenn es zum Beispiel Schallschutz gibt, einen Nachtportier, der aufpasst, und die Räume klimatisiert sind, so dass die Fenster nicht geöffnet werden müssen“, sagt Rokbani. Manche Wohngemeinschaften würden mehr Lärm verursachen. Bezirksbürgermeister Schulz sagt, es könne zwar durchaus sein, dass einzelne Betreiber es ohne Lärmbelästigung schaffen, doch falls ein Betreiber wechsle, entstehe dann wieder ein Problem. „Dort, wo ein Konflikt absehbar ist, haben die Mieter eindeutig Vorrang“, sagt Schulz.

Heftige Kritik kommt von der CDU: Die Haltung der Grünen im Falle der Hostels stehe in einem „eklatanten Widerspruch“ zu ihrem Vorgehen in Bezug auf die Admiralbrücke, wo sich ebenfalls Anwohner gestört fühlen, sagt Götz Müller, Fraktionschef der CDU in Friedrichshain-Kreuzberg. Größere Benachteiligungen durch Hostels für die Anwohner sehe er nicht. „Wir müssen jede Möglichkeit nutzen, ein bisschen Wirtschaftstätigkeit dort reinzubringen“, sagt Müller. Der Bezirk sei ohnehin sehr arm. Zudem wirke der Beschluss so, als wolle man im Bezirk keine Touristen.

Zurzeit gibt es nach Angaben des Bezirks 36 Hostels in Friedrichshain und Kreuzberg – gegenüber den 18 Hostels vor fünf Jahren eine Steigerung um 100 Prozent. Bei den Hotels lag der Zuwachs im gleichen Zeitraum nur bei 18,2 Prozent. Die Tourismuswerber von Visit Berlin begrüßen daher die Entscheidung des Bezirks. Der Hotelmarkt in Berlin sei „extrem hart umkämpft“, sagt Sprecherin Natascha Kompatzki. Eine „Verschnaufpause“, wenn auch im unteren Sektor, könne den Wettbewerb entspannen.

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