Lärmbelästigung in Berlin : Die volle Dröhnung Schienen

Anwohner der Stadtbahn leiden unter permanentem Krach. Seit es neue Gleise gibt, sogar noch mehr als zuvor. Der Senat will jetzt ein Forum für Bahnlärm einrichten.

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Die können ordentlich quietschen: Bahnschienen.
Die können ordentlich quietschen: Bahnschienen.Foto: dpa

Etwa 1000 S-Bahn-Züge rollen täglich allein auf der Stadtbahn zwischen Ostbahnhof und Charlottenburg. Seit sie schöne neue Gleise haben, ist es viel lauter als vorher. „Die Schienen sind neu und nicht eingeschliffen, es quietscht und kreischt – deshalb haben sich viele Menschen beschwert, unter anderem bei uns“, berichtet die Umweltstadträtin des Bezirks Mitte, Sabine Weißler (Grüne). Angeblich verschwinde der Krach zwar nach einem Vierteljahr von allein, aber: „Das hätte die Bahn auf ihre Plakate ruhig draufschreiben können, dann hätte es weniger Beschwerden gegeben.“

„Der Hinweis ist richtig“, sagte ein Bahnsprecher dazu selbstkritisch. „Wenn man die Menschen besser informiert, erzeugt man weniger Missstimmung.“ Er versprach, das Unternehmen werde dazulernen.

Mittes Umweltstadträtin fordert Lärmforum

Der Vorschlag von Sabine Weißler, eine Bahnlärmkonferenz ähnlich der Fluglärmkommission einzurichten, könnte sogar verwirklicht werden. „Wir nennen es Lärmforum“, sagte Petra Rohland von der zuständigen Senatsumweltverwaltung. „Wir haben in Berlin eine hohe Zugfrequenz und eine dicht anliegende Wohnbebauung. Es ist sinnvoll, dass sich ein Gremium mit dem Thema befasst.“ Es sollen Bürger, Parteien, Verbände und natürlich die Bahn darin vertreten sein. Losgehen wird es aber erst, wenn das Eisenbahnbundesamt die aktuellen Lärmkarten fertig hat. Zum Jahresende soll das der Fall sein.

TU-Professor Markus Hecht erwartet von einem solchen Gremium allerdings nicht viel. Wichtig sei, dass nicht ins Blaue hinein geredet werde. Dafür müssten verlässliche Daten her. Die Lärmkarten seien unpräzise, denn sie beruhten auf Berechnungen statt auf Messungen und hätten nur eine Fehlergenauigkeit von 20 Dezibel. Hecht ist für ein Monitoring, an welchen Stellen welcher Lärm entstehe. Da es auch keine Werte aus der Zeit vor der Schienenerneuerung gebe, habe man jetzt keinen Vergleich.

Schalldämpfung vs. Nutzungsdauer

Ganz verwerfen will Hecht den Vorschlag für eine Bahnlärmkonferenz aber nicht: „Der derzeitige Zustand ist nicht akzeptabel, insoweit ist es gut, sich darum zu kümmern.“ Hecht erinnerte an die Streckenerneuerung der Münchner S-Bahn 2008, nach der es auch viel lauter war. Auch damals hatte es zunächst geheißen, das gebe sich von allein, und nach einem halben Jahr des Herumdiskutierens zeigte sich, dass die Schienen falsch geschliffen waren. Der Fehler wurde korrigiert.

Derartiges hält die Bahn in Berlin nicht für möglich. „Die neue Schiene schleift sich durch Benutzung ab, wir lassen auch Schleifzüge fahren, damit es schneller geht“, sagt der Bahnsprecher. Ein noch besserer Schallschutz sei auch eine Kostenfrage. Ein Faktor sind dabei die Absorberplatten, die zwischen den Schienen liegen. Je besser sie den Schall dämpfen, desto kürzer ist ihre Lebensdauer – und desto teurer wird es.

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