Lärmbelästigung : Konfliktschlichter auf Admiralbrücke haben erste Erfolge

Es tut sich was auf der Kreuzberger Admiralbrücke: Die Anwohner schlafen etwas besser. Das Projekt könnte Vorbild für den Görlitzer Park sein.

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Die Admiralbrücke ist zum Treffpunkt für junge Menschen aus alles Welt geworden.
Die Admiralbrücke ist zum Treffpunkt für junge Menschen aus alles Welt geworden.Foto: dpa

Die Dauerparty ist etwas leiser geworden. „Zumindest, solange die Polizei dort ist“, relativiert die 32-jährige Stefanie, Anwohnerin der Admiralbrücke Aber sie sei in diesem Jahr immerhin noch nicht nachts um 2.30 Uhr durch eine Bongo-Trommel geweckt worden.

Im Kreuzberger Kiez am Landwehrkanal herrscht schon seit längerem eine Art Ärger zwischen Anwohnern und Besuchern, die bei schönem Wetter auf der Brücke feiern. In diesem Jahr soll der Frieden wiederhergestellt werden: Deshalb haben zwei professionelle Streitschlichterinnen, Sosan Azad und Doris Wietfeldt, seit dem 22. Mai drei Abende pro Woche auf der Brücke verbracht und mit Anwohnern und Partygästen gesprochen. Das heißt „Mediationsverfahren“.

Am Freitag haben sie über erste Erfolge berichtet – gemeinsam mit der Polizei, dem stellvertretender Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Peter Beckers, und Stefanie, Vertreterin der Anwohner-Initiative. Stefanie allerdings will ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen, sie sei schon mal „dumm angequatscht worden“ nachdem sie sich im Fernsehen zu dem Thema geäußert habe. Auch daran sieht man, dass der Konflikt noch nicht vorbei ist.

„Wir wollen doch keine Totenruhe auf der Brücke, sondern nur ab Mitternacht schlafen können und am nächsten Tag nicht durch Urinpfützen und Müllberge waten“, sagt die Anwohnerin. Der erste Teil ihres Wunsches ist erfüllt: Denn seitdem es so warm geworden ist, beziehen jeden Abend zwei Polizisten auf der Brücke Posten. „Wenn jemand nach 22 Uhr sein Musikinstrument auspackt, geht sofort ein Polizist auf ihn zu“ , sagt Frank Schattling, Leiter des zuständigen Polizeiabschnittes. „Seitdem haben wir eine deutliche Verbesserung festgestellt.“ Im vorigen Jahr habe die Polizei jeden Abend mindestens einen Notruf von Anwohnern verzeichnet. In diesem Sommer komme das nur noch sehr selten vor. Die Streitschlichterinnen tragen auf ihre Weise dazu bei: „Wir haben immer mehr Kontakt zu den jungen Leuten auf der Brücke und sind schon mit vielen Musikern ins Gespräch zu gekommen“, sagt Sosan Azad. „Ein erstes Mediationsgespräch am runden Tisch mit 75 Beteiligten war erfolgreich.“ Und beim Ideenwettbewerb, der noch bis zum 13. August laufe, habe es schon gute Vorschläge gegeben. Einzelheiten will sie „der Fairness halber“ noch nicht verraten.

Touristen waren allerdings nicht am runden Tisch dabei, obwohl sie auch Teil des Problems sind. „Wir sind dabei, Stammgäste und -musiker als Vorbilder für andere Besucher zu etablieren. Touristen orientieren sich an dem, was sie vorfinden“, sagt Sosan Azad. Und Stefanies zweiter Wunsch? Der nach Sauberkeit? Die Stadtreinigung sei dabei, ein neues Konzept zu erarbeiten, das aber noch nicht vorgestellt werden könne, sagt Sosan Azad. Sie sei aber optimistisch, dass sich auch da eine Lösung finde.

Bis November soll das Mediationsverfahren dauern, für das der Senat 18 000 Euro ausgibt. Im nächsten Sommer soll es ohne Polizei gehen: „Es ist nicht unsere Strategie in Berlin, überall, wo es zu laut ist, Polizisten aufzustellen“, sagt Bezirkspolitiker Beckers. „Wir haben noch einen langen Weg vor uns“ – darin sind sich alle Beteiligten einig.

Sollte sich dann das Mediationskonzept aber tatsächlich als Erfolg bestätigen, könnte es als Vorbild für andere Brennpunkte wie den Görlitzer Park dienen, sagt Becker. Scheitern könnte diese Idee allerdings an der Finanzierung, fügt er schnell hinzu.

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