Berlin : Lärmbelästigung: Viel Lärm um Merkels Ruhe

Barbara Junge

Nach Bayreuth fährt Frau Merkel gerne. Zuletzt im Juli. Die Werke von Wagner scheinen ihr zu liegen. Die Aufführung des "Amphitryon" von Kleist jedoch missfällt der CDU-Vorsitzenden und ihrem Mann Joachim Sauer - zumindest, wenn am Abend die Musik vor der eigenen Haustür aufgeführt wird.

Angela Merkel hat sich in der Mitte Berlins niedergelassen. An der Museumsinsel, die das kulturelle Zentrum der Hauptstadt bildet, am Kupfergraben just gegenüber dem Pergamonmuseum. Im Rahmen des Theaterfestivals "Götterleuchten" wurde dort "Amphitryon" seit dem 11. August bereits an zwei Wochenenden als Open-Air-Stück aufgeführt. Auch am Donnerstag vergangener Woche. Am Freitag-vormittag lag dem Umweltamt des Bezirks Mitte dann eine Beschwerde vor, aus dem Hause Merkel. Professor Joachim Sauer monierte die Lärmbelästigung am späten Abend und forderte das Amt auf, dagegen einzuschreiten.

Am Abend desselben Tages - das Stück wird jeweils Donnerstag, Freitag und Samstag gegeben - führte das Umweltamt dann eine Lärmmessung durch. Denn die Aufführung des Stückes war den Theatermachern mit der Auflage genehmigt worden, einen Lärmpegel von 60 Dezibel einzuhalten. Die Messung ergab eine Überschreitung der Grenze. Die Theatermacher wurden ermahnt. Sollte noch einmal eine deutliche Überschreitung vorkommen, würde die Ausnahmegenehmigung für das Kulturereignis unter freiem Himmel zurückgezogen. Im Umweltamt heißt es, die Messung am Freitag habe nichts mit der Beschwerde aus dem Hause Merkel zu tun.

Doch in Mitte ist Unmut zu spüren. "Ich finde es schon erstaunlich, wie man bei aller Betonung der Hauptstädtigkeit Berlins sich über so etwas beschweren kann", moniert Mittes Kulturstadtrat Horst Porath (SPD). "Wenn es ans eigene Gehör geht, wird man offenbar ganz schnell etepetete". Hätte sich ein weniger prominenter Bürger beschwert und der Bezirk hätte gehandelt, so Porath, "wäre doch ganz schnell der Vorwurf gekommen, wir handelten provinziell". Persönlich jedoch empfände er die Beschwerde der Prominenz am Kupfergraben als provinziell. Und Kultursenatorin Adrienne Goehler (parteilos) ließ sich vernehmen: "Wer ins kulturelle Herz der Metropole zieht, der darf nicht Posemuckel erwarten."

Der "Verein zur Erweiterung des künstlerischen und kulturellen Spektrums", Veranstalter des Theaterfestivals, teilte nun mit, man befürchte einen Spielstopp. Pressesprecherin Barbara Schwarz bestätigte die Ermahnung durch das Umweltamt. Jetzt sei man gezwungen, mit einem "Begrenzer" zu arbeiten. Obwohl die Messung eine nur geringfügige Überschreitung der genehmigten 60 Dezibel ergeben habe. Der Begrenzer solle nun dazu führen, dass der Geräuschpegel den des Umgebungslärms nicht überschreite. Die Dramaturgin Antje Borchardt, befürchtet ebenfalls negative Auswirkungen auf ihr Stück: "Es macht keinen Sinn, wenn wir vor über 300 Leuten auftreten und nur in Zimmerlautstärke spielen dürfen. Sobald eine Straßenbahn vorbeifährt, versteht keiner etwas."

Angela Merkel war am Donnerstag noch auf ihrer Sommerreise und für eine Stellungnahme nicht zu haben. "Wir sagen dazu nichts", sagte ihre Pressesprecherin. Frühere Nachbarn des Paares Merkel-Sauer wollten dazu indes etwas sagen. Schon in der zuvor bewohnten Wohnung hatte Sauer mit Beschwerden auf sich aufmerksam gemacht, berichten sie. Von der Wilhelmstraße aus hatte er des öfteren die Polizei zur Baustelle des Hotel Adlon gerufen - wegen Lärmbelästigung.

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