Berlin : Lärmlos glücklich

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Eine endgültige Entscheidung steht noch aus, doch die Anlieger am Pariser Platz machen sich schon jetzt Gedanken, was eine dauerhafte Schließung des Brandenburger Tors für sie bedeuten würde. Aber eines scheint klar: Die meisten befürworten eine Sperrung.

„Als begeisterter Radfahrer finde ich das gut“, meint Patrick Menges, 50, Mitarbeiter im Restaurant „Tucher am Tor“. Für das Geschäft sei die Sperrung ohne Einfluss, „Autos können bei uns sowieso nicht parken.“

Gegenüber, im Hotel Adlon, sieht man das ähnlich: „Wir glauben, dass eine autofreie Zone dem Pariser Platz gut täte“, sagt Pressesprecherin Ulrike Heesch. „Das würde dem Platzihm eine gewisse Würde verleihen. Für uns wäre die Schließung kein Problem. Die Anfahrt der Gäste ist ja weiter gesichert.“

Stevanato Giorgio, Geschäftsführer der Restaurants im Adlon sagt: „Endlich herrscht hier mehr Ruhe, die Leute können ungestört auf der Terrasse sitzen.“ Fast euphorisch äußert sich Rosemarie Rode, Angestellte der ebenfalls im Hotel befindlichen Boutique Werner Scherer: „Das ist der Platz in Berlin. Die Leute könnten dort wieder flanieren, ohne Benzingestank einatmen zu müssen. Sie sollten sich dafür wie früher gut anziehen.“

Auch Hans Gerhard Hannesen, Präsidialsekretär der Akademie der Künste, wünscht sich die endgültige Schließung. „Das Tor ist das Symbol der deutschen Einheit. Jeder Staatsgast geht da vorbei. Abends sieht man das im Fernsehen. Jeder will dort hin. Der Platz würde durch die Schließung eine ganz andere Qualität bekommen.“

Die DZ Bank wie auch die Dresdner Bank, beide mit Neubauten am Platz, vertreten keine eindeutige Position. Solange die Zufahrt zu ihnen gesichert sei, sei man mit jeder Lösung im Sinne der städtebaulichen Qualität des Platzes einverstanden.

Weniger zufrieden mit der Sperrung ist die Belegschaft im „Medea Geschenkshop“. Fernsehturm und Brandenburger Tor als Miniaturausgabe, das mögen vor allem Bustouristen. „Ganze Gruppen haben bei uns gekauft“, sagt Mitarbeiterin Irina Grossmann. Früher hätten regelmäßig Reise- und Stadtrundfahrt- Busse angehalten. Vorbei. „Seit das Tor dicht ist, verzeichnen wir einen drastischen Umsatzrückgang.“ Sorgen macht sich auch Douang Sosod, Kellnerin im Thai-Restaurant Issan. Zwar kämen mittags Geschäftsleute und Angestellte aus den umliegenden Büros, aber: „Abends ist es hier tot. Die Leute können nicht parken.“

Die amerikanische Botschaft, die ihren Neubau am Pariser Platz Ende 2006 einweihen will, mag sich an der Diskussion ums Tor nicht beteiligen. Es handle sich um eine Senatsentscheidung. fhk/jmw

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