Berlin : Lästereien am laufenden Band

MTV-Moderatorin Sarah Kuttner hat ein Buch geschrieben. Heute liest sie in der Kulturbrauerei

Sebastian Leber

„Ich sag immer: Keine Pasta ohne Soße.“ Der Satz stammt nicht von Sarah Kuttner, sondern aus einem Gala-Interview mit Steffi Graf. Aber weil er so wunderbar sinnfrei ist, hat sich Kuttner den Satz ausgeborgt und an den Anfang ihres Buches gestellt. „Das dümmste Zitat der Welt in meinem eigenen Buch: Toll!“

Die MTV-Moderatorin kann sich über die merkwürdigsten Dinge freuen: über Comeback-Versuche schlechter Popbands, über die Wörterbuch-Funktion ihres Handys, über die Vorstellung, bei Stau auf der Autobahn wenden zu dürfen. Wobei man nie genau weiß, ob ihre Freude ernst gemeint ist oder bloß Ironie – oder ob sich die Berlinerin an ihrer eigenen Ironie erfreut. Bei ihren Fernsehauftritten verrät sie manchmal die Mimik, bei ihren Kolumnen, die sie regelmäßig in der Süddeutschen Zeitung und im Musikexpress schreibt, muss man zwischen den Zeilen lesen und liegt am Ende wahrscheinlich trotzdem falsch. Vielleicht wird es klarer, wenn sie die Dinge richtig betont: Am heutigen Mittwoch liest Kuttner in der Kulturbrauerei aus ihrem Buch „Das oblatendünne Eis des halben Zweidrittelwissens“, in dem alle Kolumnen des vergangenen Jahres gesammelt sind (Fischer Verlag, 8,95 Euro). In ungekürzter Länge, quasi „als Bonustracks“, sagt Kuttner und freut sich.

Sie kann aber auch anders: Die Mehrzahl ihrer Texte ist gespickt mit kleinen Lästereien und charmanten Unverschämtheiten. Wirklich beleidigend wird Kuttner jedoch nie. „Warum sollte ich? Das gehört nicht zu meinem Job, auf andere Leute einzuprügeln.“ Vor allem sollen ihre Kolumnen nicht belehren, sondern unterhalten: „Ich seh’ es nicht als meine Pflicht, Deutschland gerade zu richten. Wenn einer zum Beispiel Kader Loth oder Tokio Hotel oder Schnappi gut findet, kann ich sehr gut damit leben.“ Dennoch kann der Leser eine Menge von Sarah Kuttner lernen: Warum es für junge Menschen gefährlich ist, Aktien zu besitzen. Warum Filme mit Knetmännchen im Kino nicht länger als 50 Minuten dauern sollten. Und dass der Bart von Bushido aussieht, „als habe sich Mutti für die Piratenparty irgendwas mit Filzstift ins Gesicht gekrakelt“. Manchmal wirken Kuttners Texte ähnlich sinnentleert wie das Eingangszitat von Steffi Graf. Die Autorin hat dafür eine simple Erklärung: „Wenn ein Text besonders absurd ist, bedeutet das meistens, dass ich mal wieder den Abgabetermin verschwitzt habe.“ Was ihr gar nicht so lieb ist: „Ein bisschen Sinn sollte schon drinstecken, eigentlich.“ Der schönste Satz des Buches findet sich ganz am Ende auf der letzten Seite. Er ist ebenfalls nicht von ihr selbst, sondern von einem Mitarbeiter, und man kann sehr lange darüber nachdenken: „Scheiße, ich glaub, ich hab das Internet gelöscht.“

Heute, 20 Uhr, Kino in der Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36. Es gibt noch Karten für acht Euro an der Abendkasse.

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