Berlin : Lagerfeuer im Wohnzimmer

Romantik ohne knisternde Holzscheite – Franz-Josef Schultes „Feuermöbel“ lodern dank Bioethanol

Rolf Brockschmidt

In grauer Vorzeit haben sich die Menschen am Abend um das Lagerfeuer versammelt, sich gewärmt und einander Geschichten erzählt. Im bürgerlichen Wohnzimmer geriet hingegen die Schrankwand mit integriertem Fernsehgerät zum Herdfeuer des modernen Menschen, in dessen magischem Widerschein man sich versammelte und verstummte. So ähnlich hat es einmal ein Kollege vor zwanzig Jahren in dieser Zeitung geschrieben. Betrachtet man die neuen leuchtenden Flachbildschirme, deren wachsende Dimensionen ebenfalls neue Medienmöbel erfordern, so scheint es, dass das „Herdfeuer der Moderne“ sogar noch an Aktualität gewonnen hat.

Aber nun gibt es „Feuermöbel“. Und dank dieser originellen Idee von Franz-Josef Schulte können wir zu den Ursprüngen zurückkehren – auch im dritten Stock einer Berliner Altbauwohnung ohne Kaminanschluss.

Aus einem quadratischen Couchtisch lodert eine Flamme und wirft ihr flackerndes Licht in den Raum. Wärme breitet sich aus. Der Korpus des Tisches besteht wahlweise aus Pflaume, Apfel, Walnuss oder Wildkirsche. Die Tischplatte ist in dieser Variante aus matt glänzendem Edelstahl gefertigt. Das Feuer flackert aus einem offenen Einsatz der Firma Ecosmart. Die Flamme und der Verbrauch der Spezialflüssigkeit lassen sich mechanisch regeln. Verbrannt wird Ethanol, rauch- und abgasfrei. Man braucht keinen Kamin und kann das Brennelement nachfüllen, sowie es abgekühlt ist. Die Familie kann sich also wieder wie in grauer Vorzeit um das heimelige Lagerfeuer versammeln und gedankenverloren in die Flamme schauen. Hat man genug des Feuerzaubers erlebt, kann die Öffnung durch eine passende Edelstahlplatte geschlossen werden.

Wem die Stahlplatte zu kalt, zu technisch ist, der kann die flexible Variante wählen. Der Korpus des Tisches aus Holz wird auseinandergeschoben und offenbart eine tiefer liegende Edelstahlplatte, in die das Brennelement eingelassen ist. Verraucht die Lust aufs Feuer, schiebt man die beiden Tischhälften wieder zusammen und erhält eine reine Holzoptik. Dieser Tisch misst dann zum Beispiel 60 mal 120 Zentimeter. Andere Maße sind aber auch möglich, denn Individualität ist ein Markenzeichen der Massivholz-Manufaktur Schulte Design.

Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Möbel kam Franz-Josef Schulte, als er den Brenneinsatz der Firma Ecosmart kennenlernte. „Ich dachte sofort, mit diesem Element müssen wir doch etwas anstellen“, sagt er. „So bekommt man das Lagerfeuer wieder in den Raum. Das ist wie mit dem Telefon: Früher brauchte man eine Schnur, war beim Telefonieren an einen Anschluss gebunden. Jetzt telefonieren wir schnurlos, wo wir wollen. So muss das doch auch mit dem Feuer gehen: Früher brauchte man einen Kamin, wegen der Rauchentwicklung. Aber mit diesem Brennelement ist man doch frei. Das war die ganze Idee.“

Manchmal entwickeln sich Design-Ideen ganz schnell. Bioethanol hat nach Ansicht von Franz-Josef Schulte eine große Zukunft, weil es sauber und rußfrei brennt. „Es riecht vielleicht etwas beim Anzünden und Ausmachen, aber ansonsten ist das alles geruchsfrei.“ Außerdem soll es ja demnächst auf Wunsch der Europäischen Union auch dem Benzin beigemischt werden.

Das Brennelement fasst fünf Liter Bioethanol, das man über die Firma, aber wohl auch bald in Baumärkten beziehen kann. „Mit einer Füllung haben Sie je nach Flammenstärke zehn bis zwölf Stunden Feuer“, sagt Schulte. Die Flammen haben etwa 60 Grad Celsius, also weniger als ein klassisches Holzfeuer. Aber sie wärmen dennoch und geben der Wohnung einen archaischen, originellen Akzent.

Den kubischen flachen Couchtisch gibt es auch in einer kühleren Variante – ohne Feuer. Die Platte besteht dann aus von unten weiß lackiertem Glas. Eine Schublade bietet genügend Stauraum.

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