Berlin : Laien als Priester in die Gemeinden? Katholiken diskutieren neue Ideen für die Kirche

Claudia Keller

Wenn man ihre Handynummern hat, kann man glücklich sein. Denn die katholischen Priester im Erzbistum sind schwer ans Festnetz zu kriegen. Seitdem die meisten Gemeinden fusioniert sind, hetzen sie von einem Termin zum nächsten. Die Gläubigen der abgewickelten Pfarreien fühlen sich dennoch oft als Anhängsel und vermissen ihren früheren Pfarrer, der bei ihnen jeden Sonntag Gottesdienst gehalten hat.

Die Vorschläge von Bischof Fritz Lobinger aus Südafrika und des Theologen Paul Zulehner aus Wien rütteln deshalb viele auf. Die beiden touren durch die deutschen Bistümer und fordern, Laien zu „Leutepriestern“ zu weihen und ihnen die Gemeindeleitung zu übertragen. Die geweihten Männer und Frauen müssten sich nicht an das Zölibat halten. Die anderen, die zölibatären „Bistumspriester“, würden aber auch weiterhin gebraucht: Sie sollen die Laienpriester ausbilden und unterstützen. „Wir dürfen nicht länger den sterbenden Betrieb sanieren“, sagte Zulehner in der Katholischen Akademie. Denn an dem Problem, dass der Katholischen Kirche Geld und Priester ausgehen, ändere sich nichts, wenn man nur die Gemeinden zusammenlege und ein Priester dann für drei Gemeinden zuständig ist. Auf der Südhalbkugel, wo Bischof Lobinger herkommt, hat der Aufbruch der Laien längst begonnen. Ehrenamtliche Teams versorgen die Kranken und halten Gottesdienst, predigen und bestatten die Toten. Die Gemeinden seien stolz auf sie, sagt Lobinger. Dass man sie weiht, wäre nur konsequent.

Johannes Holz, der in der Bistumsverwaltung das Hilfswerk „Missio“ vertritt und ehrenamtliche Seelsorgeteams ausbildet, ist begeistert von den Ideen. „Wenn wir das Recht auf Eucharistie ernst nehmen, brauchen wir Leutepriester.“ Viele Kirchenvorstände halten wie Hermann-Josef Gehrke, Gemeinderatsvorsitzender in Heilig Kreuz in Wilmersdorf, die „Leutepriester“ für einen „spannenden Ansatz“. Hans-Jürgen van Schewick, der oberste Laienvertreter im Erzbistum schätzt, dass es unter den Aktiven viele gebe, die diesen Weg gehen würden. Ein solches Amt würde ihnen das Gefühl vermitteln, nicht nur Handlanger zu sein. „Wenn die Leutepriester theologisch fortgebildet und unterstützt würden, könnten sie die Antwort auf viele Probleme sein“, so van Schewick.

Aber er bezweifelt, dass sich Priester, die sich nicht an das Zölibat halten müssen, in der Amtskirche durchsetzen lassen. Georg Kardinal Sterzinsky findet denn auch, dass es schon „sehr viele Aufgaben für Laien gibt“. Und schließlich könne man unter den gegebenen Rahmenbedingungen sowieso nicht alleine über eine neue Entwicklung entscheiden. Der Stellvertreter des Papstes in Berlin, Nuntius Erwin Ender, will sich nicht äußern, und die Bischofskonferenz weist knapp darauf hin, dass Leutepriester mit dem Amtsverständnis nicht vereinbar sind. Dominikanerpater Justinus Reich, der zwei Gemeinden in Tiergarten leitet und Lobingers und Zulehners Ideen für „inspirierend“ hält, sagt: „Ich spreche der Kirche in Deutschland ab, dass sie so viel Mut hat. Der Leidensdruck ist noch nicht groß genug.“

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