Berlin : Land in Sicht beim Streit um die Seen

Brandenburg übernimmt vom Bund 120 Gewässer. Damit bleiben sie weiter zugänglich und touristisch nutzbar.

 Alexander Fröhlich
Freies Wasser. Das Land Brandenburg wird Eigentümer von zahlreichen Seen, die als früheres DDR-Volkseigentum vom Bund verwaltet wurden. Foto: Ralf Hirschberger dpa/lbn
Freies Wasser. Das Land Brandenburg wird Eigentümer von zahlreichen Seen, die als früheres DDR-Volkseigentum vom Bund verwaltet...Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb

Potsdam - Jetzt sind Brandenburgs Seen sicher. Das Land wird 120 Seen aus dem Bestand des Bundes kaufen. Noch laufen die Gespräche zwischen der bundeseigenen Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH und Fachleute im Haus von Brandenburgs Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD). Es müssen noch Details geklärt werden, wie dem Tagesspiegel von beiden Seiten bestätigt wurde. Doch das Ministerium geht fest davon aus, dass das Geschäft bis Mitte dieses Jahres perfekt ist. Über die genaue Kaufsumme haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Es soll sich dem Vernehmen nach um einen Betrag im einstelligen Millionenbereich handeln. Bei allen 120 Gewässern oder Teilstücken aus früherem Treuhandbesitz geht es um jeweils mehr als fünf Hektar.

Das Verkaufspaket des Bundesunternehmens, das Agrarflächen aus dem früheren DDR-Volkseigentum vermarktet, enthält wahre Perlen, darunter der Fahrländer See in Potsdam, der Caputher See (Potsdam-Mittelmark), der Mellensee in Teltow-Fläming oder der Motzener See (Dahme-Spreewald). Es sind insgesamt 70 Seen, die für Touristen und Angler eine Rolle spielen.

Damit ist abgewendet, wovor Naturschützer und Anrainer stets warnten: Dass nämlich nach einer Privatisierung die Gewässer nicht mehr zugänglich sind und für die Öffentlichkeit gesperrt werden. Selbst das Baden vom kleinen Waldstrand aus wäre unmöglich. Die Folgen für den Brandenburger Tourismus wären verheerend – besonders für den Wassersport. Brandenburg lockt mit Marinas, Boots- und Kanuverleihen, Mietstationen für Hausboote und Badestellen jeden Sommer die Gäste an. Als negatives Beispiel gilt der 2003 verkaufte Wandlitzsee, wo die Kommune und Anrainer an eine Immobiliengesellschaft für die weitere Nutzung von Strandbad und Stegen zahlen sollten.

Bereits im Sommer 2011 hatte sich der Bund mit Mecklenburg-Vorpommern geeinigt, das für 1,86 Millionen Euro insgesamt 37 Seen erwarb. Brandenburgs Fachleute nahmen sich mehr Zeit. Sie wollten alle Gewässer erst neu vermessen, Steckbriefe erstellen und den Fischreichtum prüfen. Denn einige Seen sind nicht nur für Freizeitangler attraktiv, sondern auch Berufsfischer verdienen hier ihren Lebensunterhalt.

Seit 2009 hatten Bürgerinitiativen und Umweltverbände gegen die ursprünglichen Privatisierungspläne des Bundes protestiert. Nach scharfen Interventionen der Ost-Bundesländer hatte der Bund den Verkauf 2010 gestoppt, eine kostenlose Übertragung aber abgelehnt. Seither laufen die Gespräche. Bis dahin hatte die BVVG die Hälfte ihrer Gewässer, 14 000 Hektar, verkauft und 15 Millionen Euro eingenommen. Noch einmal 15000 Hektar – in Brandenburg 9400 Hektar – waren noch in Bundesbesitz. Ein Teil wurde ins Nationale Naturerbe übertragen, darunter der Gülper See im Westhavelland, wo jedes Jahr Zehntausende Zugvögel rasten.

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