Berlin : Land könnte Kitas abgeben - und 290 Millionen Mark sparen

Ulrich Zawatka-Gerlach

Die Wohlfahrtsverbände und der Dachverband der Berliner Kinder- und Schülerläden (DaKS) haben den Senat aufgefordert, die städtischen Kitas in freie Trägerschaft zu übergeben. Damit ließen sich jährlich 290 Millionen Mark einsparen. Und dies "ohne Einbußen bei der Betreuungsqualität und ohne weitere Belastungen und Einschränkungen für die Eltern", heißt es in einem gemeinsamen Positionspapier. Die freien Träger seien in der Lage, gleiche Betreuungsleistungen kostengünstiger anzubieten als die öffentliche Hand.

Zum Thema Newsticker: Aktuelle Meldungen aus Berlin und Brandenburg Wohlfahrtsverbände und DaKS weisen auf eigene Berechnungen des Senats hin, nach denen die Betreuungsstunde in der Krippe bei den freien Trägern 7,75 Mark kostet, bei städtischen Einrichtungen aber 10,58 Mark. Bei den Kindertagesstätten seien die freien Träger immerhin noch 46 Pfennig und bei der Hortbetreuung 27 Pfennig pro Betreuungsstunde preiswerter. Konsequenzen habe das Land Berlin daraus noch immer nicht gezogen. Denn es betreibe weiterhin 70 Prozent aller Kitaplätze - 94 566 von 136 201 - in eigener Regie. Nach den geltenden Förderrichtlinien (91-prozentige Finanzierung über Senatszuwendungen und Elternbeiträge) ergäbe die Übertragung sämtlicher Plätze in freie Trägerschaft ein Sparpotenzial von 290 Millionen Mark.

Selbst bei 100-prozentiger Förderung bliebe eine Netto-Entlastung des Berliner Etats von 182 Millionen Mark pro Jahr übrig, argumentieren die Kritiker. Mit diesem Geld könnten die längst überfälligen Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen in den Kitas bezahlt werden.

Die niedrigeren Betreuungskosten haben nach Darstellung der Wohlfahrtsverbände folgende Ursachen: Bei den freien Trägern würden nur die belegten Betreuungsplätze finanziert. Die Kostentransparenz sei höher und der Verwaltungsanteil genau definiert. Ein weiterer kostensenkender Faktor sei - und dies gelte vor allem für die kleineren Einrichtungen - das freiwillige Engagement der Eltern. Außerdem sei ein flexiblerer Personaleinsatz möglich.

Andere Sparmaßnahmen, die zurzeit im Gespräch sind, lehnen Wohlfahrtsverbände und DaKS übereinstimmend ab. Das gilt zum Beispiel für die Erhöhung der Elternbeiträge, die Einschränkung der Betreuung für Kinder von Studenten und Arbeitslosen und außerdem für die Vergrößerung der Kindergruppen bzw. für die Verkürzung der Betreuungszeit.

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