Berlin : Land unter am Engelbecken

Harald Olkus

Die Blässhühner und Stockenten scheinen sich auf der Wasserfläche im Engelbecken recht wohl zu fühlen. Für die Anwohner der Häuser am ehemaligen Luisenstädtischen Kanal auf der Grenze zwischen Kreuzberg und Mitte gilt das weniger. Ihnen steht das Wasser im Keller. Die Bewohner des ehemaligen Tropeninstitutes am Engeldamm beschweren sich über feuchte Tiefgaragen, und auch die Mitarbeiter des Landesbezirks Berlin-Brandenburg der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bekommen nasse Füße, wenn sie sich ins Untergeschoss wagen.

Der Landesbezirk Berlin Brandenburg hat das vom Architekten Bruno Taut Ende der zwanziger Jahre erbaute Gewerkschaftshaus am Engeldamm 1993 bezogen. Doch bei der Sanierung des denkmalgeschützten Baus scheint man nicht mit der erforderlichen Sorgfalt vorgegangen zu sein. Im Keller steht das Wasser zum Teil knöcheltief, die Wände sind feucht und auch die Deckenträger in den Obergeschossen sind nicht mit Beton ummantelt und rosten. "Das muss dringend saniert werden", sagt Verdi-Sprecher Andreas Splanemann. Schuld an der Misere ist das gestiegene Grundwasser. Es hatte den Anwohnern auch unerwartet die Wasserfläche im Engelbecken beschert.

Denn für ein ursprünglich vom Landesdenkmalamt geplantes Wasserbecken mit Fontäne waren die Haushaltsmittel zu knapp geworden. Deshalb sollte vor zwei Jahren auf dem Grund des Beckens eine Liegewiese angelegt werden. Doch beim Ausbaggern stieß man plötzlich auf Wasser - und kam auf diese Weise trotzdem zur Wasserfläche. Das Engelbecken soll mit den überfluteten Kellern aber nichts zu tun haben, sagt Karl-Friedrich Metz, Leiter der Bau- und Wohnungsaufsicht beim Bezirksamt Mitte, da es sich bei dem Teich um Grund- und Oberflächenwasser handele.

Allerdings sei der Grundwasserpegel in der Berliner Innenstadt im vergangenen Jahrzehnt deutlich gestiegen. Das liegt unter anderem daran, dass es weniger Großbaustellen gibt, die Wasser absaugen, um den Grundwasserspiegel künstlich zu senken, sagt Karl. Aber es handelt sich auch um ein generelles Problem Berlins, denn auch in Außenbezirken wie Britz sind schon diverse Keller vollgelaufen.

Für Verdi wird das Wasser zum Problem: denn eigentlich hatte die Gewerkschaft geplant, ihre verschiedenen Berliner Standorte aufzugeben und am Engeldamm zusammenzuziehen. Davon betroffen waren das ehemalige "Haus des Buchdrucks" an der Dudenstraße sowie die Häuser in der Schill- und Blissestraße. Jetzt muss sich der Landesbezirk selbst auf die Suche nach einer neuen Zentrale machen. Denn eine Sanierung des Gebäudes bei laufendem Betrieb erscheint kaum möglich. "Die Entscheidung darüber wird im März fallen", sagt Andreas Splanemann. Der Pressesprecher hält das Taut-Haus am Engeldamm ohnehin nicht für den besten Standort: Weder gibt es Laufkundschaft, wie früher an der Joachimstaler Straße, noch ist das Gebäude besonders verkehrsgünstig gelegen. Und auch die Läden im Erdgeschoss scheinen schwer vermietbar zu sein - trotz oder wegen der Wasserfläche.

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