Berlin : Land unter: "Wir saufen hier fast ab"

Steffi Bey

Viele Gärten in Johannisthal haben sich in den vergangenen Jahren in eine Art Sumpflandschaft verwandelt. Der Boden ist ständig feucht, es wächst kaum noch etwas, an manchen Tagen bilden sich kleine Tümpel. Das passiert alles ohne Zutun der Bewohner. Im Gegenteil, sie haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder Hilfe suchend an das benachbarte Wasserwerk, den Bezirk, den Senat und sogar den Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses gewandt.

"Schuld an unseren nassen Grundstücken ist das Wasserwerk Johannisthal", sagt Gudrun Knospe, die seit 34 Jahren in einer denkmalgeschützten Siedlung am Eibenweg wohnt. Denn ein Großteil der Brunnen, die in der Königsheide zur Grundwasserförderung genutzt wurden, sei vor drei Jahren abgestellt worden. "Und seit dem saufen wir hier fast ab", sagt die resolute Frau. In einigen Häusern am Akeleiweg steht das Wasser sogar in den Kellern.

Als die Bewohner des Siedlungsgebietes vor knapp einem Jahr erfuhren, dass das Wasserwerk plant, den Betrieb völlig einzustellen, wurde eine Unterschriftensammlung dagegen organisiert. Auch die Fraktionen der Bezirksverordnetenversammlung schaltete man ein. Und im Frühjahr verabschiedete die BVV dann einen Antrag, der das Bezirksamt verpflichtete, sich beim Senat "für ein gezieltes Förderregime im Wasserwerk Johannisthal" zur Senkung des Grundwasserstandes einzusetzen. Mit Unverständnis reagierten allerdings die Johannisthaler auf die Antwort des Senats: Demnach hätten die baulichen Anlagen der Anwohner so errichtet werden müssen, dass ein hoher Grundwasserstand nicht zu Missständen führt. Inzwischen schöpfen sie aber wieder Hoffnung. So verabschiedete jetzt das Abgeordnetenhaus fraktionsübergreifend einen Antrag, in dem der Senat aufgefordert wird, "keine Stilllegung des Wasserwerkes am Königsheideweg zuzulassen". Dazu soll der Senat eine Verordnung in Kraft setzen, die das Wasserwerk zwingt, "siedlungsverträgliche Grundwasserstände einzuhalten". Wie das umgesetzt werden kann, erläutert Wolfgang Bergfelder, Abteilungsleiter in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: "Das Wasserwerk muss seine Fördermenge von derzeit jährlich rund 7,5 Millionen Kubikmeter auf elf bis 13 Millionen Kubikmeter erhöhen." Es gehe aber nicht nur darum, das Grundwasser zu fördern, sondern auch als Trinkwasser aufzubereiten. Darüber habe man bereits mit den Berliner Wasserbetrieben (BWB) verhandelt. "Perspektivisch wird es so sein, dass in Johannisthal ein neues Werk mit modernster Technologie enststeht, kündigt Bergfelder an. Er geht davon aus, in diesem Jahr "das detaillierte Zukunftspaket für den Umgang mit dem Wasserwerk zu schnüren".

Stephan Natz, Pressesprecher der BWB, betont, dass "die wirtschaftlichste Lösung für die Wasserbetriebe eigentlich eine Schließung des Werkes" bedeuten würde. Schließlich sei der Wasserverbrauch in Berlin in den vergangenen zehn Jahren um 40 Prozent gesunken. Wurden damals noch 350 Millionen Kubikmeter pro Jahr gefördert, sind es heute nur noch 220 Millionen Kubikmeter. Zu den laufenden Verhandlungen mit dem Senat will sich Natz aber nicht äußern. Nur so viel: "Das, was am Ende dabei herauskommt, bringt auf keinen Fall Nachteile für die Anwohner."

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