Berlin : Land will S-Bahnen nichtmal gratis Bund würde bei positiven Gutachten zahlen

Klaus Kurpjuweit

Velten - Die Brandenburger Landesregierung will sich weitere S-Bahn-Strecken nicht einmal schenken lassen. Sie hält die Verbindungen für unrentabel und will nicht für die anschließenden Betriebskosten aufkommen. Die Bundesregierung wäre bereit, den Wiederaufbau der Strecken von Spandau nach Falkensee und von Blankenfelde nach Rangsdorf zu 100 Prozent und von Hennigsdorf nach Velten immerhin noch zu 60 Prozent zu finanzieren – falls Brandenburg nachweisen kann, dass der Aufbau wirtschaftlich wäre. Weil das Land aber nur für die Verbindung nach Falkensee eine solche Untersuchung veranlasst hat, ergreift Velten, wie berichtet, selbst die Initiative. 14 Unternehmen aus der Stadt beteiligten sich zu einem Drittel an den Kosten der Studie, sagte Bürgermeister Heiko Manthey auf einer Veranstaltung des Berlin- Brandenburgischen Bahnkunden-Verbandes. Bundesweit dürfte dies einmalig sein.

Das Infrastrukturministerium in Potsdam verweist bisher stets darauf, dass diese Kommunen bereits einen Anschluss an den Regionalverkehr hätten und eine zusätzliche S-Bahn-Verbindung deshalb unnötig sei. Die Bürgermeister lassen dies aber nicht gelten: Veltener müssten mit dem Regionalzug bis Hennigsdorf fahren, wo sie meist den Anschluss an die S-Bahn verpassten, sagte Manthey. Die Folge: 20 Minuten Warten auf die nächste Bahn.

Ähnlich sieht es in Falkensee aus. Dort gibt es zudem Streit, ob die S-Bahn kommen oder der bestehende Regionalverkehr bleiben soll. Weil seit 17 Jahren unklar sei, wie die Bahnzukunft aussehen soll, sei die Kommune nicht einmal in der Lage gewesen, das Gebiet um den Bahnhof in Falkensee zu entwickeln, weil das Gelände durch die Bahn blockiert werde, klagte Baudezernent Harald Höhlig. Erst jetzt sei man soweit, dass zumindest Fahrradständer aufgestellt werden können.

Auch Rangsdorf würde für einen S-Bahn-Anschluss in Vorlage gehen, sagte Bürgermeister Klaus Rocher. Die Gemeinde sei bereit, sich an einem Brückenbau zu beteiligen, der Platz für die S-Bahn lässt. Eine Autobahnbrücke ist bereits um einen Streifen für die S-Bahn erweitert worden. Ob diese je fahren wird, bleibt ungewiss. Klaus Kurpjuweit

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