• Landesamt warnte, doch Feinstaub blieb in Schulen liegen Die Gesundheitsgefahr ist weiterhin nicht gebannt, weil für professionelle Reinigung das Geld fehlt

Berlin : Landesamt warnte, doch Feinstaub blieb in Schulen liegen Die Gesundheitsgefahr ist weiterhin nicht gebannt, weil für professionelle Reinigung das Geld fehlt

Claudia Keller

Viele Klassenzimmer sind stark mit gesundheitsschädlichem Feinstaub belastet. Das haben Messungen in 40 Schulen ergeben, die das Landesamtes für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (Lagetsi) im Schuljahr 2003/04 durchgeführt hat. Das Amt hat im Oktober 2004 Maßnahmen vorgeschlagen, um den Feinstaub zu verringern. So sollte nicht mehr mit dem Besen gefegt werden, weil das die Staubpartikel aufwirbelt. Stattdessen sollte man jeden Tag nass putzen und regelmäßig lüften.

Verändert hat sich seitdem nicht viel – und wo sich etwas getan hat, ist die Situation heute eher noch schlechter. Die Grünen im Abgeordnetenhaus haben jetzt an zwei Kreuzberger Grundschulen erneut gemessen und eine vier bis sechs mal höhere Konzentration von Feinstaub festgestellt, als es die EU-Grenzwerte für die Außenluft zulassen. Eine entsprechende Richtlinie für Innenräume gibt es nicht.

Nach Auskunft von Lagetsi-Sprecher Robert Rath sind die kleinen Staubpartikel gefährlich, weil sie durch die Lungenbläschen ins Blut gelangen und die Herz- und Kreislaufbelastung erhöhen. Auch das Risiko von Atemwegserkrankungen steigt. Die Grünen fordern deshalb, dass verbindlich so gereinigt werden muss, dass der Feinstaub verringert wird. Es brauche Lüftungspläne und klare Grenzwerte für Innenräume. Auch kritisieren sie, dass sich in vielen Schulen die Fenster gar nicht öffnen lassen, entweder, weil Gebäude marode sind oder aus Gründen der Sicherheit für die Kinder.

Im September hat die Bildungsverwaltung die Schulen aufgefordert, das Fegen mit dem Besen zu unterlassen und sich ansonsten an die für die Reinigung von Schulen zuständige DIN-Norm von 2003 zu halten. Sie sieht vor, dass die Klassenräume zwei Mal pro Woche gewischt werden, einmal feucht, einmal nass. Das Verbot der Besen, mit denen in etlichen Schulen die Kinder selbst gefegt hatten, führte dazu, dass die Räume noch schmutziger sind als vorher. Denn die professionelle Reinigung durch Firmen wurde nicht ausgedehnt.

Grundsätzlich sind die Bezirke für die Reinigung der Schulen zuständig. In Charlottenburg-Wilmersdorf denke man darüber nach, häufiger und anders putzen zu lassen, sagt der für das Gebäudemanagement zuständige Mitarbeiter im Bezirksamt. Schulamtsleiter Horst Getschmann in Tempelhof-Schöneberg steht auf dem Standpunkt: „Wir putzen nach DIN-Norm. Wenn das nicht reicht, muss erst die Norm verändert werden.“ Die Grundschullehrer seines Bezirks planen nun eine politische Initiative, weil sie wollen, dass die Reinigungsfirmen mehr tun.

Neuköllns Volksbildungsstadtrat Wolfgang Schimmang (SPD) gibt 3,1 Millionen Euro im Jahr aus, damit in seinen 70 Schulen zwei Mal die Woche geputzt wird. Jeden Tag wischen würde 800 000 Euro mehr kosten. Auf ganz Berlin hochgerechnet wären es zehn Millionen Euro. Jens Stiller, Sprecher von Bildungssenator Klaus Böger (SPD), ist überzeugt, dass man viel vor Ort verbessern kann ohne zusätzliches Geld. So sollten etwa die Schulleiter kontrollieren, ob die Reinigungsfirmen tatsächlich so putzen wie vereinbart.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben