Landeseigene Gesellschaft : Wohnungsbaugesellschaft Mitte macht Millionenverluste

Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Mitte droht das vergangene Geschäftsjahr mit einem Millionenverlust abzuschließen. Das Unternehmen war bereits vor Jahren kurz vor der Insolvenz. Die Howoge schließt dagegen 2010 mit sattem Gewinn ab.

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In einer Übersicht über die wirtschaftlichen Ergebnisse aller Berliner Wohnungsunternehmen, die von der Howoge am Freitag vorgestellt wurde, beläuft sich der Konzernverlust der WBM im Jahr 2009 auf rund 40 Millionen Euro. Aus Verwaltungskreisen ist aber zu hören, dass die Bilanz der WBM noch nicht vom Aufsichtsrat beschlossen wurde und dass das Minus auch geringer ausfallen könnte.

Bei der Wohnungsbaugesellschaft Mitte wollte niemand zu den Zahlen Stellung nehmen. Auch Anfragen bei den Senatsverwaltungen für Finanzen und Stadtentwicklung blieben unbeantwortet. Vor etwa sechs Jahren stand die WBM kurz vor der Insolvenz. Der Bau der Rathauspassagen sowie der Umbau des Hauses des Lehrers am Alexanderplatz hatten das landeseigene Unternehmen belastet. Außerdem drückten Leasinggeschäfte auf die Bilanz. Die WBM hatte rund 4000 Wohnungen verkauft und die Immobilien dann zurückgeleast. Doch die Mieteinnahmen der Wohnungen reichten nicht aus, um die Leasingraten zu bezahlen.

Wegen der Schieflage hatte der damalige Finanzsenator Thilo Sarrazin im Jahr 2005 die WBM zum Verkauf eines Teils ihrer damals 35 000 Wohnungen gedrängt. Heute besitzt die WBM noch gut 29 000 Wohnungen in besten Lagen von Mitte und Friedrichshain. Und die neuen Geschäftsführer haben in den vergangenen Jahren große Erfolge bei der Sanierung des Unternehmens erzielt: Die Überschüsse des Konzerns lagen im Jahr 2009 bei rund zehn Millionen Euro. Und die „Eigenkapitalquote“, die als Indikator für die Wirtschaftskraft von Unternehmen gilt, hat sich seit dem Krisenjahr 2005 um mehr als 50 Prozent erhöht.

Einen Gewinn in Höhe von 30 Millionen Euro hat dagegen die ebenfalls landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge im vergangenen Geschäftsjahr eingefahren. Dies teilte Geschäftsführer Reinhard Baumgarten bei der Vorstellung der Jahresbilanz mit. Die Affäre um die nicht rechtmäßige Vergabe von Planungsaufträgen an das Ingenieurbüro des früheren Mitglieds der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Ralf Hillenberg, habe keine Spuren in der Bilanz hinterlassen, sagte die Aufsichtsratsvorsitzende Monika Kuban. Die Howoge bewirtschaftet rund 60 000 Wohnungen, nur 1,5 Prozent davon stehen leer.

Dank der großen Ertragskraft kommt die Howoge den Forderungen des Senats nach, ihre Bestände zu erweitern, und hat 500 Wohnungen im vergangenen Jahr hinzugekauft. Weitere Objekte könnten in diesem Jahr hinzukommen. Mit dem Neubau von Wohnungen könne dagegen keine Entlastung für Haushalte mit geringen Einkommen geschaffen werden, weil Neubauten für 12 Euro je Quadratmeter vermietet werden müssten, damit sie sich rechnen.

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