Landeseigenes Unternehmen : Der BVG-Chef bleibt ein Topverdiener

Der Sturmowski-Nachfolger erhält bei der BVG rund 387.000 Euro Jahresgehalt. Doch andere Chefs landeseigener Unternehmen sind noch besser bezahlt

Klaus Kurpjuweit

Die neue Frau oder der neue Mann an der Spitze der BVG soll nicht mit Geld nach Berlin gelockt werden. Gegenwärtig denke man nicht daran, die Bezüge zu erhöhen, heißt es in der Finanzverwaltung. Noch-Chef Andreas Sturmowski erhielt im vergangenen Jahr rund 387.000 Euro. Damit gehört der BVG-Job in Deutschland zu den bestbezahlten im Verkehrsbereich. Top-Verdiener innerhalb der landeseigenen Unternehmen ist der Vorstand bei der BVG jedoch nicht.

Ulrich Kissing erhält als Chef der Investitionsbank Berlin (IBB) pro Jahr mehr als 500 000 Euro, gefolgt von Peter Hohlbein von der Berliner Immobilien Holding (BIH), dessen Arbeit mit 494 000 Euro vergütet wird. Messechef Raimund Hosch bezieht 481 000 Euro, sein Kollege Christian Göke ist mit 405 000 Euro dabei. Joachim Bovelet vom Krankenhauskonzern Vivantes kann sich über 451 000 Euro freuen. Und auch die damals noch drei Geschäftsführer bei der Flughafengesellschaft erhielten 2008 zusammen 1,131 Millionen Euro.

Die Kritik des Bundes der Steuerzahler an der Höhe der Bezüge weist der Kommunale Arbeitgeberverband Berlin (KAV) zurück. Die wiederholte Mäkelei an den Vorstandsbezügen sei ungerechtfertigt und helfe nicht weiter, sagte KAV-Geschäftsführerin Claudia Pfeiffer. Auch der Vergleich mit Politikern, die deutlich weniger Geld erhielten, hinke, weil diese, gemessen an ihrer Verantwortung, eher unterbezahlt seien. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wird mit vergleichsweise bescheidenen 147 000 Euro entlohnt.

Vor allem die hohen Zahlungen im Bankbereich sind aber auch im Senat umstritten. Selbst der Vorstandschef der Commerzbank muss sich mit 500 000 Euro begnügen, seit der Staat bei dem Geldinstitut eingestiegen ist. Dabei sei das unternehmerische Risiko in landeseigenen Unternehmen relativ gering, heißt es bei Kritikern, da die Betriebe immer unter dem „Rettungsschirm des Staates“ stünden. Auch der Rechnungshof hat in Einzelfällen die Höhe der Bezüge gerügt, die zum Teil innerhalb weniger Jahre sprunghaft gestiegen sind. Generell erwarte man bei Top-Bezahlungen aber auch Top-Leistungen, heißt es im Senat.

Nicht zufrieden war Finanzsenator Ulrich Nußbaum hier mit dem noch amtierenden BVG-Chef Andreas Sturmowski. Dessen Vertrag wird deshalb, wie berichtet, nicht verlängert – zum wiederholten Mal bei Vorständen der BVG. Zuletzt ist 2004 der damalige Technikchef Hans-Heino Dubenkropp freiwillig in den Ruhestand gegangen.

Doch auch wenn die BVG-Spitze in Berlin nicht am besten bezahlt wird, liegt sie im Vergleich mit anderen Verkehrsunternehmen mit vorne. In Hannover erhielt der Vorstandschef im vergangenen Jahr 282 000 Euro, in Stuttgart verteilten sich 667 000 Euro auf drei Geschäftsführer, und in München bekam die fünfköpfige Leitung der Stadtwerke, zu denen auch die Verkehrsgesellschaft MVG gehört, zusammen 1,318,6 Millionen Euro – 50 Prozent weniger als in vergleichbaren Unternehmen, heißt es im Geschäftsbericht.

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