Landeskonservator im Interview : "Es wird in Brandenburg neue Ruinen geben"

Nach 21 Dienstjahren hat Landeskonservator Detlef Karg jeden Glauben an Brandenburgs Politik verloren. Hier spricht er schonungslos, warum gleichzeitig neuer Verfall und "Puppenstuben" drohen - und wie die Schlösserstiftung fast Sanssouci ruiniert hätte.

von
Detlef Karg
Detlef KargFoto: Andreas Klaer

Kein Bundesland in Deutschland gibt so wenig Geld für die Rettung und Pflege seiner Denkmale aus wie Brandenburg. In 21 Jahren als Landeskonservator haben Sie die Politik nicht umstimmen können. Wie bitter ist das für Sie?

Gerade zum Abschied geht einem da einiges durch den Kopf: Ich bin persönlich sehr enttäuscht, dass mein regelmäßiger Ruf nach einer der Mark Brandenburg angemessenen Denkmalförderung ungehört verhallte. Es wären, weiß Gott, im Vergleich zu anderen Ausgaben wahrlich keine opulenten Summen erforderlich.

Sondern?

Nötig ist ein Denkmal-Fonds, um schnell und unkompliziert auch privaten Denkmaleigentümern helfen zu können, um Substanz zu erhalten. Schon zweitausend, dreitausend Euro reichen da manchmal. Wir haben immer eine Summe von zwei Millionen Euro pro Jahr genannt. Selbst das war in Brandenburg wider alle Vernunft nicht durchsetzbar. In allen anderen Ländern gibt es einen solchen Fonds.

Was für Denkmale würden profitieren?

Nicht die Leuchttürme, die Klöster, die großen Einzelstücke sind das Problem. Die sind zumeist restauriert, wie Ziesar, Chorin oder Heiligengrabe. Es fließt ja auch Geld, etwa in die Preußische Schlösserstiftung. Mir geht es um Tausende kleinere Denkmale, die in der Summe die Kulturlandschaft prägen. Ernste Sorgen bereiten Dorfkirchen, Bauernhäuser, Ställe und Scheunen, frühere Fabrikhallen, manches Herrenhaus. Vieles konnte gerettet werden. Aber es sind immer noch viel zu viele Denkmale vom akuten Verfall bedroht.

Was geht in Ihnen vor, wenn Sie lesen, dass der neue Flughafen statt einst geplanter 2,2 Milliarden Euro nun 4,5 Milliarden Euro kosten wird?

Ich habe beschrieben, was man im Denkmalschutz schon mit zwei Millionen Euro jährlich anfangen könnte! Sicher, jeder Bau wird teurer. Mich packt die Wut, wie das Management beim Flughafen gelaufen ist, wo Professionalität in Planung und Kontrolle nötig gewesen wäre. Wenn ich Bauvorhaben in der Denkmalpflege so angepackt hätte, wäre ich schon lange nicht mehr auf diesem Stuhl.

Warum tut sich Brandenburgs Politik so schwer mit der Denkmalförderung?

Das habe ich nie ergründen können. In Brandenburg ist ein Kultur-Ressort für Denkmalschutz zuständig. Es hat kaum Fördermittel für die Denkmalpflege. Wir konnten das zwar beschränkt durch Bundesmittel ausgleichen. Aber die Denkmalförderung bleibt ein Armutszeugnis für Brandenburg. Es ist einfach eine Frage, welchen Stellenwert das kulturelle Erbe für die Politik hat, in Regierung und Landtag. Die Fakten geben darauf die Antwort.

Aber die Politik schmückt sich doch gern mit Preußen, wie man aktuell am Friedrich-Jubiläum sehen kann?

Ja, das ist ein Widerspruch. Doch auch die Entdeckung Preußens ist ja eine ambivalente. Man ist einerseits befangen, andererseits staunt und freut man sich, dass Preußen inzwischen in ein besseres Licht rückte. Aber diese Perspektive ist bereits zu eng. Brandenburg ist eben nicht allein Preußen. Das ist mein Ansatz. Die Baukultur aus vielen Jahrhunderten in der Mark, mit den sozialen, wirtschaftlichen Entwicklungen der Regionen verwoben, ist vielfältiger, aber in ihrem Reichtum kaum im Bewusstsein. Brandenburgs Wurzeln sind kaum bekannt.

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