Berlin : Landeskriminalamt: Der "Profiler" kommt aus dem Computer

Werner Schmidt

Im Fernsehen lösen sie die Fälle in durchschnittlich 45 Minuten: Sie analysieren die Tat, erstellen ein Profil des Täters, anschließend ermitteln sie den Täter auch noch und nehmen ihn fest. Die Profiler. Vorbild dieser TV-Serienhelden sind tatsächliche Profiler bei der Polizei, aber deren Arbeit sieht - wie so häufig - ganz anders aus als die ihrer Kollegen im Fernsehen. Im Berliner Landeskriminalamt arbeiten seit Juni vergangenen Jahres Beamte daran, eine Datenbank mit Kriminalfällen zu füttern. Ebenso machen es die anderen Bundesländer.

Da die Fälle nach einheitlichen Kriterien aufgearbeitet wurden, erlauben es die Computerdaten, die einzelnen Delikte zu vergleichen, Ähnlichkeiten herauszufinden und die Straftaten zu filtern, die mit großer Wahrscheinlichkeit vom selben Täter verübt wurden. "Operative Fallanalyse" nennt es die Polizei, und es hat nicht nur in Berlin, sondern auch bereits in Brandenburg dazu beigetragen, dass Serienstraftaten erkannt wurden. Besonders wichtig sei dies beispielsweise in Fällen, in denen ein Täter gefasst wurde und es darum geht, ihm weitere Straftaten nachzuweisen, sagte gestern der Chef des Berliner Landeskriminalamtes (LKA), Hans-Ulrich Voß. Das entsprechende Computerprogramm wurde in Kanada Mitte der 90er Jahre entwickelt und dort bereits mit großem Erfolg angewendet.

In dem vom Bundeskriminalamt (BKA) verwalteten Datenbestand sind derzeit rund 3000 Fälle aus der gesamten Bundesrepublik gespeichert, 150 stammen aus Berlin. Dabei wurden Tötungsdelikte, Vermisstenfälle und Sexualdelikte wie Vergewaltigungen und sexueller Missbrauch von Kindern zurück bis 1980 erfasst. Die Erstellung von Täterprofilen, also das Herausarbeiten von Besonderheiten und die Bewertung des physischen und verbalen Verhaltens etwa eines Vergewaltigers, "ist kein Wundermittel und bisher noch in keinem Berliner Fall angewendet worden", sagte der Leiter des Berliner Profiler-Teams, Gert Hasse. Im Behördendeutsch hat die Dienststelle natürlich einen ganz anderen Namen, sie heißt schlicht LKA 41-01 (OFA).

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Fallanalyse und die Erstellung eines Täterprofils sind letztlich seit jeher Handwerkszeug eines Kriminalisten. Schon immer hat man sich Gedanken gemacht, wie ein Täter, der eine bestimmte Tat verübte, aussehen könnte, welche Motive er hat, aus welchem sozialen Milieu er stammt. Nun werden solche Kriterien bundesweit erfasst und können von allen Länderpolizeien bei ihrer Ermittlungsarbeit herangezogen werden. Die einzelnen Fälle werden damit vergleichbar. Kanada hat mit der Entwicklung des Datensystems ein Beispiel gegeben, an dem sich auch Deutschland orientiert.

168 Fragen müssen für jeden Kriminalfall, der in der Datei gespeichert wird, beantwortet werden. Dazu gehören natürlich der Tatablauf und Besonderheiten der dabei verwendeten Waffen, die besondere Sprechweise eines Täters, Auffälligkeiten bei seinen Bewegungen oder besonderes Material, das er bei der Tat verwendete.

Im Berliner Landeskriminalamt arbeiten derzeit fünf Beamte im Bereich "Operative Fallanalyse", die alle beim BKA ausgebildet wurden. Schwerpunkte der zeitaufwendigen und langwierigen Ausbildung sind laut Voß neben Kriminologie die Psychologie und Psychiatrie.

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