Abgeordnetenhaus : Berliner Pirat twittert als SPD-Abgeordneter

Was ist ein netzpolitischer Sprecher ohne Twitter-Account? Die Berliner Piraten gaben dem SPD-Abgeordneten Kohlmeier die Antwort - auf ihre ganz eigene Weise.

Sven Kohlmeier
Sven KohlmeierFoto: promo

Die Piraten haben dem Netzpolitiker der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Sven Kohlmeier, auf eigene Faust ein Profil auf der Internetplattform Twitter eingerichtet. „Ein netzpolitischer Sprecher, der nicht auf Twitter präsent ist, ist nicht glaubwürdig“, sagte der Sprecher der Berliner Piraten, Philip Brechler, am Freitag.

Brechler hatte deshalb am Mittwochabend kurzerhand ein Profil eingerichtet und sich als Kohlmeier ausgegeben. „Das ist ein lustiger Spaß für die Piraten, hilft aber dem Dienst wenig: Letztlich schwindet so das Vertrauen in Twitter“, sagte Kohlmeier. Er übernahm das Profil am Freitag schließlich.

Nachdem ihm die Fälschung am Morgen aufgefallen sei, bat er den bis dahin noch unbekannten Besitzer zunächst per Eintrag auf seiner Internetseite, ihm das Profil zu überlassen. Dafür stellte er in Aussicht, einen Euro pro „Follower“ zu spenden. Das sind Nutzer, die Nachrichten eines Profils auf Twitter abonniert haben.

Profil sah täuschend echt aus Pirat

Brechler hatte das Profil mit dem Benutzernamen @KohlmeierSPD zwischenzeitlich mit Kohlmeier-Fotos aus dem Internet und den Farben der SPD so eingerichtet, dass es täuschend echt aussah. Erste Nutzer hatten daraufhin versucht, mit Kohlmeier auf Twitter in Kontakt zu treten. Brechler sendete - als Sven Kohlmeier getarnt - schließlich eigene Antworten wie „Liebe Piraten, mäßigen sie ihren Beißreflex.“

Inzwischen hat Kohlmeier sein Profil übernommen. Weil er zu diesem Zeitpunkt am Freitagnachmittag 157 „Follower“ hatte, werde er nach eigenen Angaben auch 157 Euro spenden. Das Geld soll dem Verein Wikimedia zugute kommen. Der Verein unterstützt die Enzyklopädie Wikipedia, an der jeder mitschreiben kann.

Nachdem Kohlmeier sein Profil übernommen hatte, kündigte er an, @KohlmeierSPD werde „jetzt ernsthaft“ twittern. Das habe er ohnehin vorgehabt, wie er sagte. Dass die Piraten ihm ein Profil angelegt hätten, käme ihm da „fast schon gelegen“. Er müsse sich so nicht mehr mit der Technik plagen. (dapd)

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