Abgeordnetenhauswahl : Berlins CDU sucht noch den Spitzenkandidaten

Vieles spricht für Parteichef Henkel. Aber auch Kulturexpertin Grütters oder Unternehmer Heilmann sind im Gespräch.

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Chefsache. Henkel (r.) wird als Spitzenkandidat gehandelt, Parteivize Heilmann werden kaum Chancen gegeben.
Chefsache. Henkel (r.) wird als Spitzenkandidat gehandelt, Parteivize Heilmann werden kaum Chancen gegeben.Foto: Thilo Rückeis

Auf der Suche nach einem Spitzenkandidaten handelte sich die Berliner CDU vor der Abgeordnetenhauswahl 2006 nur Absagen oder parteiinterne Vetos ein: Laurenz Meyer, Friedrich Merz, Annette Schavan, Dieter Lenzen, Norbert Röttgen, Klaus Töpfer. Am Ende wurde es der glücklose Friedbert Pflüger. Ein Jahr vor der Abgeordnetenhauswahl will die CDU den Spitzenkandidaten bis Ende des Jahres präsentieren. Aber was muss ein geeigneter Kandidat aufweisen?

Zuletzt kursierte der Name Joachim Gauck. Das Dementi folgte auf dem Fuß. „Eine Schnapsidee und völlig abwegig“, sagen alle CDU-Granden. „Absoluter Blödsinn“, kommentierte ein Spitzenpolitiker. Im Übrigen hatte auch niemand den früheren DDR-Bürgerrechtler und Bundespräsidentschaftskandidaten von SPD und Grünen gefragt. Schon vor einem Jahr ließ der Jurist und Wirtschaftsliberale aus dem Westfälischen, Friedrich Merz, verlauten, er stünde „für nichts“ zur Verfügung. Weitere Kandidaten von außen sind nach dem Pflüger-Desaster nicht im Gespräch.

Die Union macht sich Mut; freut sich über Umfragewerte um 20 Prozent und gibt sich betont gelassen. Präsentieren werde man den Spitzenkandidaten „zu gegebener Zeit“, wird Parteichef Frank Henkel nicht müde zu sagen. Im Gespräch sind Monika Grütters, Thomas Heilmann und Henkel. Vieles spricht für Henkel.

Die Parteienforscher Oskar Niedermayer und Peter Lösche sehen eine bürgerlich-konservative Wählerschicht, die Werte wie Familie, Sicherheit, Ordnung hochhält. Das betrifft nicht nur die großbürgerliche Klientel, sondern auch Arbeiter und Angestellte. „Die CDU jedoch bewegt sich immer mehr in die Mitte“, sagt Niedermayer. Konservative Wähler würden zwar noch CDU wählen, aber „mit der geballten Faust in der Tasche“. Henkel wäre unter den potenziellen Kandidaten der einzige, der authentisch vor Arbeitern sprechen könnte, der Ordnungspolitik glaubhaft vertreten würde. „Wir müssen uns auf das normale Volk konzentrieren“, sagt ein Spitzenpolitiker. „Es geht um Bildung, Unterrichtsausfall, Nahverkehr und um Integration.“

Doch die Union muss auch das Bildungsbürgertum ansprechen. Das könnte Monika Grütters, Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag. Sie wirkt medial positiv und ist für eine städtisch-urbane Wählerschaft interessant. Nur: Wenn Renate Künast für die Grünen antreten sollte, wovon auch die CDU ausgeht, „fischen Grütters und Künast im selben Gewässer“, sagen CDU-Strategen. Ein konservatives Profil aber fehlt Grütters. Die Kandidatur würde auf Henkel hinauslaufen. Sollte Künast nicht antreten, könnten die Karten neu gemischt werden.

Parteivize Thomas Heilmann ist im Rennen um Platz eins außen vor. Der Unternehmer ist Ideengeber in der CDU; dem politischen Quereinsteiger fehlt aber eine Basis in der Union. Außerdem ist er bei den Berlinern zu unbekannt, um als Kandidat erfolgreich zu sein, sagen die Parteienforscher. Eine solide Parteibasis hat dagegen der Reinickendorfer Kreischef Frank Steffel. Der Bundestagsabgeordnete ist ein machtvoller Strippenzieher. Als Kandidat für 2011 kommt er aber nicht infrage. 2001, nach Parteispenden- und Bankenaffäre, rutschte die CDU mit Spitzenkandidat Steffel um 17 Prozentpunkte auf 23, 8 Prozent ab. „Einen Verlierer nominiert man nicht“, sagt Lösche. Was nun nicht heißt, dass es ein Frank Steffel nicht noch einmal 2016 versuchen könnte.

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