Abschied : Sarrazin zum Letzten

Melancholie ist seine Sache nicht. Und so verzichtete Thilo Sarrazin gestern Abend in seiner wohl letzten Haushaltseinbringungsrede darauf, Abschiedsgefühle aufkommen zu lassen.

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Sarrazin

Ein Nachtragshaushalt war einzubringen, krisenbedingt. Die Steuereinnahmen sinken. Die Wirtschaft falle weltweit „wie ein Stein“ – da bieten die beiden Wirtschaftsankurbelungsprogramme des Bundes die Chance, die Berliner Infrastruktur aufzurüsten. Berlin verfügt bald über 632 Zusatz-Millionen, mit denen Schulen saniert, Straßen repariert allerlei andere Maßnahmen finanziert werden sollen. Doch sind in den Haushalt auch Mindereinnahmen und Mehrausgaben einzustellen, 960 Millionen Euro insgesamt.

Nachdem Sarrazin die Berliner Finanzen so weit gerichtet hatte, dass das Land mit dem Abzahlen seiner Schulden beginnen konnte, ist dieser neue Schuldenetat „nicht der schönste denkbare Haushalt“, sagte Sarrazin. Aber so ist das eben, und ein Mann wie Thilo Sarrazin, der sich mit der Geschichte auskennt, akzeptiert den Wumm weltweiter Krisen. Immerhin war es ihm vergönnt, mit dem Haushalt 2008 den Berliner zu zeigen, dass man in der Hauptstadt auch wirtschaften kann. Dieser Etat, sozusagen Sarrazins Lieblingshaushalt, hatte ein vorkrisenmäßiges Plus von 940 Millionen Euro ausgewiesen – Sarrazin zog daraus, er gab es zu, „ein schönes Gefühl“.

Schallgedämpft war das Echo auf seinen Nachtragsetat. Der CDU-Haushälter Uwe Goetze hielt Sarrazin mit Understatement „Unklarheiten“ in dem nun vorgelegten Zahlenwerk vor. Der grüne Finanzfachmann Jochen Esser leistete sich den Hauch von Melancholie, den Sarrazin sich nicht gestattete: „Sie haben einen erheblichen Beitrag zum Mentalitätswechsel in dieser Stadt geleistet.“ wvb.

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