Ambulante Pflegedienste : Per Mausklick zum besten Helfer

Ab 2008 sollen die Leistungen der ambulanten Pflegedienste transparenter sein. Firmen können aber nicht gezwungen werden, Tests zu veröffentlichen.

Christoph Stollowsky

Die Qualität der ambulanten häuslichen Krankenpflege in Berlin soll vom kommenden Jahr an erheblich besser kontrollierbar sein. Der Senat dringt darauf, dass die unterschiedliche Leistungsqualität der rund 430 Pflegedienste in der Stadt veröffentlicht wird und von jedermann eingesehen werden kann, der für sich oder Angehörige einen ambulanten Pflegeservice sucht. Wie in den vergangenen Tagen bekannt wurde, haben die Kassen seit 2004 erhebliche Pflegemängel in Berlin aufgedeckt.

Als Orientierung bei der Suche nach einem möglichst verlässlichen Pflegedienst sollen in Zukunft die Prüfergebnisse des Medizinischen Dienstes (MDK) der Pflege- und Krankenkassen dienen, dessen Gutachter Berlins Pflegedienste überwachen. Sie kontrollieren beispielsweise, inwieweit die Firmen die vorgeschriebenen Qualitätsstandards fürs Umbetten, für die Ernährung oder die Hilfe bei Inkontinenz erfüllen und drücken dies in Prozentpunkten aus. Diese Ergebnisse sollen die einzelnen Pflegedienste nach den jetzigen Plänen freiwillig auf ihren Websites ins Netz stellen oder in ihren Infoschriften veröffentlichen.

Damit dies „mit einem breiten Konsens“ geschieht, werde das Vorhaben ab Oktober am runden Tisch vorbereitet, sagte gestern eine Kassensprecherin. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des Senats, der Kassen, Berufsverbände und Beratungseinrichtungen soll möglichst schnell alle Organisationsfragen klären.

Eine solche „Transparenzoffensive“ gibt es bereits für stationäre Pflegeheime. Auch deren Prüfergebnisse sollen künftig per Mausklick für jedermann einsehbar sein, nachdem im Frühjahr in mehreren Einrichtungen erhebliche Pflegemängel aufgedeckt wurden. Einer ähnlich harten Kritik sahen sich in den vergangenen Tagen nun auch die häuslichen Pflegedienste ausgesetzt. Wie berichtet, hat der Medizinische Dienst (MDK) von 2004 bis 2006 bei 17 Firmen derart gravierende Pflegemängel gerügt, dass ihnen die Kassen kündigten. Bei 56 weiteren Diensten gab es gleichfalls Beanstandungen, mit ihnen wollen die Kassen aber weiter kooperieren.

Diese Sanktionen hatte die Sozialverwaltung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus hin bekanntgemacht. Die Liberalen wollen nun noch einen Schritt weiter als der Senat gehen, indem sie eine „zusammenfassende Rankingliste für ambulante Pflegedienste“ fordern. Doch dieses Ansinnen ist nach Auskunft von Martina Wilcke-Kross, Referentin beim Medizinischen Dienst der Kassen, mit dem Datenschutz nicht vereinbar. Der Senat und die Kassen dürften die Ergebnisse der MDK-Kontrollen nur an die betroffenen Firmen weiterleiten, aber nicht selbst in Form einer Übersicht ins Netz stellen. „Die Veröffentlichung seitens der Firmen muss in freiwilliger Absprache erfolgen.“

Viele Unternehmen seien allerdings daran interessiert. Schon jetzt bemühten sich vor allem größere Pflegedienste um eine interne Selbstkontrolle. Sie beschäftigen Qualitätsbeauftragte, die ihre Arbeit kritisch begleiten. Die Sozialverwaltung empfiehlt Hilfe suchenden Pflegebedürftigen und deren Angehörigen, sich von unabhängigen Einrichtungen wie „Pflege in Not“ beraten zu lassen, bevor sie sich für einen ambulanten Haus-Pflegeservice entscheiden. Christoph Stollowsky

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