Aufträge für Berlin erwartet : Wowereit verteidigt Saudi-Arabien-Reise

Knapp fünf Tage lang war der Regierende Bürgermeister mit einer Wirtschaftsdelegation in Saudi-Arabien. Dass es daheim in Berlin Diskussionen über seine Reise gab, hat Klaus Wowereit "verwundert".

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Klaus Wowereit war mit Vertretern der Wirtschaft für fünf Tage in Riad.
Klaus Wowereit war mit Vertretern der Wirtschaft für fünf Tage in Riad.Foto: dapd

Dass es daheim in Berlin überhaupt Diskussionen an seiner Reise gab, hat Klaus Wowereit „verwundert“, wie er am Dienstagvormittag kurz nach seiner Rückkehr sagte. Knapp fünf Tage lang war der Regierende Bürgermeister mit einer Wirtschaftsdelegation in Saudi-Arabien zu Gast – was manche Kritiker angesichts der politischen Umbrüche in anderen arabischen Ländern unpassend fanden, da das absolutistisch regierende saudische Königshaus von Demokratie und Menschenrechten nicht viel hält.

Am Dienstagmorgen kehrte die 26-köpfige Delegation aus Riad nach Berlin zurück, kurz darauf zog Wowereit im Gespräch mit dem Tagesspiegel im Roten Rathaus eine zufriedene Bilanz: Die Mitglieder der von IHK-Ehrenpräsident Werner Gegenbauer geführten Wirtschaftsdelegation – von Siemens und Vivantes bis zum Solartechnikunternehmen Solon – hätten zahlreiche Kooperationsvereinbarungen und Verträge abgeschlossen, auch zum wissenschaftlichen und kulturellen Austausch habe man neue Vereinbarungen getroffen. So wurde ein Vertrag unterzeichnet, um die Archäologie-Schau „Road of Arabia“ ab September im Pergamonmuseum zu zeigen. „Die Gespräche haben gezeigt, welche großen Kooperationsmöglichkeiten es gibt“, sagte Wowereit.

Saudi-Arabien habe er als „Land der Widersprüche“ erlebt: Einerseits gebe es einen enormen Modernisierungsschub mit umfangreichen Investitionen in Bildung und Infrastruktur. Andererseits sei das Land bei Themen wie Gleichberechtigung der Frauen oder dem Umgang mit Minderheiten „rückständig“. Das sei aber kein Grund, solche Reisen nicht zu veranstalten. Im Gegenteil: „Ein Land wie Saudi-Arabien muss sich ändern und öffnen, der Prozess ist unaufhaltsam.“ Es gebe dabei „keine Alternative“ zu Kontakten: „Die Modernisierung muss durch Kooperation nach vorne gebracht werden.“ Bei seinen Gesprächen mit Politikern wie dem Gouverneur von Riad und Unternehmern habe er immer wieder eine Unsicherheit gespürt, wie es politisch in der Region weitergeht. „Die Verantwortlichen denken nach, wie die unausweichlichen Reformen ohne Verwerfungen erreicht werden können.“

IHK-Ehrenpräsident Gegenbauer ist zuversichtlich, „dass sich aus den vielen geführten Gesprächen ganz konkrete Aufträge für Berliner Unternehmer ergeben“. Jörg Steinbach, Präsident der TU Berlin und ebenfalls in der Delegation, hält den Besuch auch politisch für sinnvoll: „Wenn wir es schaffen, von dort junge Leute an die TU Berlin zu holen und für ein bis zwei Semester in einer anderen Gesellschaft leben zu lassen, werden sie diese Erfahrung mit nach Hause tragen.“ Der Besuch habe also auch einen „missionarischen Hintergrund“.

Bei einem Essen mit Vertretern der Prince Sultan University in Riad, an der auch Frauen studieren dürfen, besprach er die Chancen für künftige Kooperationen in den Wirtschaftswissenschaften und in Informatik. Steinbach hofft, dass mittelfristig etwa drei Dutzend Studierende für ein bis zwei Semester an die TU Berlin kommen, darunter auch Frauen. Bislang seien an der TU ungefähr 50 Studierende aus Saudi- Arabien eingeschrieben. Dass auch Berliner für ein oder zwei Semester nach Saudi-Arabien wechseln, kann sich Steinbach allerdings nicht vorstellen. Dazu sei das Leben dort für Menschen aus dem Westen „zu schwer verdaulich“.

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