Ausbildung : Berlin will mehr Migranten zu Azubis machen

Innensenator Körting setzt auf Migranten als Nachwuchs: 2013 soll im öffentlichen Dienst jede vierte Stelle mit Lehrlingen ausländischer Herkunft besetzt sein.

Ferda Ataman
Koerting
Ehrhart Körting -Foto: dpa

Der Nachwuchs im öffentlichen Dienst soll internationaler werden. Deshalb wurde die Senatskampagne „Berlin braucht dich!“ in diesem Jahr ausgeweitet. „Wir haben uns ein ehrgeiziges Ziel vorgenommen“, sagte Heidi Knake-Werner (Linke) am Mittwoch bei der dritten Auftaktveranstaltung: „Bis 2013 soll ein Viertel der Auszubildenden in Behörden und öffentlichen Betrieben einen Migrationshintergrund haben.“ In diesem Jahr haben sich nun auch die 40 Berliner Unternehmen mit Landesbeteiligung der Kampagne angeschlossen und sich verpflichtet, mehr Jugendliche aus Einwandererfamilien auszubilden als bisher. „Ihre Sprachkenntnisse und ihr interkulturelles Wissen sind für uns alle ein Gewinn“, sagt Knake-Werner.

Ob Forstwirt, Hebamme oder Bürokommunikation: Bislang sind in der Verwaltung und den öffentlichen Betrieben nur wenig Mitarbeiter mit fremd klingenden Namen angestellt, obwohl inzwischen 25 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund haben. Dass soll sich durch die Kampagne „Berlin braucht dich!“ ändern. Vorbilder und Projektmitarbeiter werben mit Informationsmaterial vor allem in Schulen und Jugendzentren für einen Ausbildungsplatz im öffentlichen Dienst. Dabei baut die Politik auf den sogenannten Schneeballeffekt: Wenn sich erst einmal herum gesprochen habe, dass es in Behörden gute Arbeitsplätze für Migranten gebe, komme die neue Bewerbergruppe bald von selbst. Der Ansatz zeigt bereits Erfolg: Seit dem Start der Kampagne 2006 ist die Zahl der Azubis aus Einwandererfamilien von knapp neun auf über 14 Prozent gestiegen.

„Hier geht es nicht darum, Migranten bevorzugt zu behandeln“, erklärt Innensenator Ehrhart Körting (SPD) bei der Auftaktveranstaltung am Mittwoch, „sondern um ein Stück nachholende Gerechtigkeit“. Schließlich sei vielfach belegt, dass Jugendliche mit ausländischen Wurzeln auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt stark vernachlässigt werden – auch dann, wenn sie sehr gute Noten vorweisen. Inzwischen gebe es türkische, libanesische, mazedonische, polnische und andere Nachwuchsmitarbeiter in der Obhut der öffentlichen Behörden. „Das spiegelt die Stadt wider“, so Körting.

Die interkulturelle Öffnung der Verwaltung gehört zu den Kernbereichen der Integrationspolitik des Senats. So zumindest steht es im Konzept des Integrationsbeauftragten Günter Piening. Der Grund ist naheliegend: Bei den eigenen Angestellten hat die Landes- und Bezirkspolitik „unmittelbare Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten“. Etwa 20 000 Ausbildungsplätze werden in Berlin jährlich neu besetzt. Davon befindet sich jede zehnte Azubi-Stelle im öffentlichen Dienst des Landes oder beim Bund. Durch die Betriebe mit Landesbeteiligung wie BVG oder die Wasser- und Reinigungsbetriebe kommen rund 3000 Ausbildungsplätze dazu.

Ali Obeid hat bereits eine solche Ausbildungsstelle. Der 22-jährige Berliner hat vor zwei Jahren bei den Bäderbetrieben angefangen. „Ich wäre nie selbst auf die Idee gekommen“, sagt er. Nach der Schule habe er „nix“ gemacht. Dann habe ihn eine Berufsberaterin darauf gebracht. „Meine Freunde sind Mechaniker“, erzählt er. Ihm gefällt, dass er Kindern Schwimmen beibringen darf.

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