Bauarbeiten : Bahn darf am Ostkreuz vorläufig auch nachts bauen

Die Bahn darf am Ostkreuz auch nachts bauen – und dabei kräftig Lärm machen. Zumindest vorläufig. Denn gegen Ausnahmegenehmigung für die Nachtarbeiten bis zum 28. Juli durch die Senatsumweltverwaltung wollen Anwohner in einem Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht vorgehen.

Klaus Kurpjuweit

An den Arbeiten am Ostkreuz, das dringend sanierungsbedürftig sei, gebe es ein übergeordnetes öffentliches Interesse, sagte die Sprecherin der Verwaltung, Regina Kneiding. Würde nur am Tag gebaut, müsste der Verkehr zu oft unterbrochen werden. Am Ostkreuz fahren Züge der S-Bahn, der Regionalbahn und der Fernbahn. Die Bahn will die Strecken nur nachts komplett sperren, weil dann weniger Züge unterwegs sind.

Anwohner Jürgen Freymann ist enttäuscht. „Was helfen uns Gesetze, die vor Lärm schützen, wenn sie nicht eingehalten werden?“ Freymann will nun von einer Firma flexible Lärmschutzwände vorführen lassen und so zeigen, dass ein Schutz der Anwohner durchaus möglich wäre. Die Bahn dagegen verweist darauf, dass diese Wände von der Genehmigungsbehörde noch nicht zugelassen seien und die Messwerte praxisfremd ermittelt worden seien. Auch auf Lärmschutzfenster müssen die Anwohner noch warten. Weil sie bei einer früheren Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht eine höhere, feste Lärmschutzwand durchgesetzt haben, lässt die Bahn jetzt prüfen, wie sich diese Änderung auswirken könnte. Erst wenn feststehe, wie viele Anwohner auch nach dem Bau der höheren Lärmschutzwand noch zu viel Krach zu hören bekommen, würden die Fenster bei den Anspruchsberechtigten eingebaut, sagte Bahn-Sprecher Burkhard Ahlert.

Am Wochenende seien von den Arbeiten rund 300 Anwohner betroffen, sagte Projektleiter Mario Wand. Etwa 110 hätten erklärt, in einem Hotel übernachten zu wollen, was die Bahn anbieten – und bezahlen – muss. Auch Freymann will seine Wohnung verlassen. Doch der Konflikt geht weiter. Die Bahn hat bereits Nachtarbeiten bis zum 31. Oktober beantragt. Klaus Kurpjuweit

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