Bebauungsplan : Neue Stadt am Hauptbahnhof

Der Masterplan für die Heidestraße in Tiergarten ist überarbeitet. Anwohner protestieren gegen Hotels, die dort gebaut werden sollen.

Matthias Oloew

So viel Einigkeit war selten. Vertreter der Verwaltung sitzen einträchtig neben Investoren und Grundstückseigentümern, loben sich gegenseitig ob der guten Zusammenarbeit, so dass auch Markus Nettl, Stadtplaner im Büro Astoc, nicht nachstehen will: „Dies ist ein einmaliger Prozess.“

Gemeint ist die Bebauungsplanung für die Brachen nördlich des Hauptbahnhofs entlang der Heidestraße. Im Frühjahr hatte das Kölner Büro Astoc den Wettbewerb für den Masterplan gewonnen. In sieben Workshops mit Verwaltungen und Bauherren haben die Stadtplaner nun an den Plänen gefeilt. Das Ergebnis: Alle sind rundum zufrieden – Senat, Bezirk, die Bahn AG als Grundstückseigentümerin und die Immobilienentwicklungsgesellschaft Vivico als Investorin.

Geblieben sind die Eckdaten: Auf den rund 40 Hektar sollen rund 600 000 Quadratmeter Gebäude errichtet werden, vor allem viel Wohnen, aber auch Büros, Läden und – im Bereich des sogenannten Kunst-Campus am Hamburger Bahnhof – Platz für Galerien und Ateliers geschaffen werden. Die Wasserlagen am Nordhafen und dem Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal sollen durch öffentliche Wege erschlossen werden. Zum Vergleich: Die Anschutz- Gruppe darf auf ihrem knapp 25 Hektar großen Areal am Ostbahnhof ebenfalls knapp 600 000 Quadratmeter errichten.

Die Veränderungen betreffen vor allem die Freifläche vis-a-vis des Hauptbahnhofs. Sie fällt jetzt größer aus, „keines der neuen Gebäude steht nun in der zweiten Reihe", so Nettl, „und wir gewinnen einen repräsentativen Platz am Bahnhof“. Daran habe es bislang am Bahnhof gemangelt. Entlang der viel befahrenen Heidestraße sollen Neubauten im Stil des üblichen Berliner Stadtgrundrisses entstehen, und nicht – aus Lärmschutzgründen – lange schallschluckende Riegel. Die Wasserlagen am Spandauer Schifffahrtskanal sollen ebenso wie am Nordhafen allesamt öffentlich zugänglich sein. Am nördlichen Ende, in Sichtweite von Bayer-Schering, bleibt es bei der Planung eines Büroviertels mit turmartigen Häusern.

Für die Stadt, aber erst recht den Bezirk Mitte sei die Entwicklung besonders wichtig, sagte Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD), so wichtig, „dass wir eigentlich hier das neue Rathaus des Bezirks errichten müssten“, scherzte er. Damit aus dem Viertel an der Heidestraße mit seinen rund 2000 Wohnungen keine „Insel der Glückseligen“ werde, müsse sich noch die Anbindung an die Nachbarquartiere in Moabit und Wedding verbessern.

Über Neubauprojekte in der Lehrter Straße, die indes nicht Teil des Masterplans Heidestraße sind, gibt es inzwischen Protest von Anwohnern. So ist auf den Grundstücken Nummer 12 und 15 ein Hostel mit über 800 Betten geplant und an der Ecke Invalidenstraße, in Sichtweite zum Hauptbahnhof, ein „Motel One“. Laut Planungsrecht wäre hier sogar ein turmartiger Bau mit bis zu 13 Geschossen möglich.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, die das harmonische Planungsverfahren an der Heidestraße ebenfalls lobte, rechnet mit einem entsprechenden Senatsbeschluss im Frühjahr. Wann die ersten Bagger anrollen, ist jedoch nicht klar.

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