Berliner Autobahnring : Schöne Ringe gibt es auch beim Juwelier

Trotz andauernder Beschwerden von Anwohnern und Bedenken von Umweltverbänden lässt sich der Senat nicht beirren. Er hält an einer Verlängerung der A100 fest. Ein Kommentar.

Jörg Zeipelt

BerlinDie Perfektionisten unter den Autofahrern haben das Ziel im Kopf. Der innerstädtische Autobahnring muss geschlossen werden, sonst ist das Berlin-Bild nicht komplett. Geht es nach den motorisierten Senatoren soll der vorerst nächste Schritt die Verlängerung der A100 von Neukölln zum Treptower Park sein. Drei Kilometer Autobahn für mindestens 420 Millionen Euro – fehlen nur noch 16 Kilometer bis zum fertigen Rundkurs.

Zur Begründung widmet der Senat dem Thema einen eigenen Bereich auf der senatseigenen Website. „Der Stadtentwicklungsplan Verkehr hat das Ziel, die Wohngebiete und die Innenstadt vom Durchgangsverkehr zu befreien“, kann dort jeder nachlesen. Der nächste Bauabschnitt der A100 soll die Belastung für Anwohner im Südosten Berlins verringern. Mehr Straßen bedeuten jedoch in aller Regel auch mehr Verkehr – dafür nur an anderer Stelle. Entlarvt wird das eigentliche Motiv von den Berliner Verkehrsplanern selbst: „Mal eben von Marzahn nach Schöneberg: das ist bisher noch ein Problem.“ Im Kopf eines Autofahrers ist es tatsächlich ein Problem. Doch mit S5 oder S7 bis zur Warschauer zu fahren und dort in die U1 umzusteigen ist eigentlich nicht besonders kompliziert.

Warum sollen alle Steuerzahler jetzt 420 Millionen hinblättern, um die Denkfaulen unter den Mobilen zu fördern und gleichzeitig für noch mehr Autos in der Stadt zu sorgen? Wäre das Geld in Zeiten des Klimawandels und Finanzknappheit nicht besser in breite Fahrradwege und noch häufiger fahrende S- und U-Bahnen investiert? Kostenlose Kurse, in denen die Benutzung des Nahverkehrs beziehungsweise eines Fahrrades erklärt wird, wären vielleicht eine günstige Alternative.

Kleiner Tipp für die perfektionistischen Stadtplaner: Statt den Ring im Norden weiterzubauen, kann man auch den im Süden einfach abreißen.

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