Berliner CDU : Ingo Schmitt siegt bei Kampfkandidatur

In der krisengeschüttelten Berliner CDU hat Ingo Schmitt eine erneute Zerreißprobe abgewehrt. Der scheidende Landesvorsitzende wurde erneut zum Direktkandidat seiner Partei für die Bundestagswahl im kommenden Jahr gewählt.

BerlinBei einer Abstimmung über den Spitzenplatz zur Bundestagswahl 2009 erhielt der Berliner CDU-Vorsitzende Ingo Schmitt am Freitagabend in der CDU-Wahlkreisvertreterversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf 60 von 77 Stimmen. Für seinen Kontrahenten, den 41 Jahre alten Christoph Wegener, votierten 14 Delegierte. Zwei der Delegierten lehnten beide Kandidaten mit Nein ab. Ein Mitglied enthielt sich.

In einer ersten Einschätzung nannte Schmitt den Sieg mit einer Quote von 81 Prozent Zustimmung "eine bestandene Zerreißprobe". Bei seiner ersten Nominierung zum Bundestag 2005 habe er nur 76 Prozent erreicht. Wegener räumte eine ganz klare Niederlage ein, erklärte aber auf Nachfrage, die errungenen 14 Stimmen seien "ein minimaler Achtungserfolg". Die CDU-Bundestagsabgeordnete Monika Grütters vom Kreisverband Wuhletal schätzte ein, das Ergebnis entspreche der Empfindungslage in Charlottenburg-Wilmersdorf. Grütters selbst hat ihren Wahlkreis in Marzahn-Hellersdorf.

Pflüger nicht zur Abstimmung erschienen

Schmitt war wegen der Querelen um den inzwischen abgewählten Fraktionschef der CDU im Abgeordnetenhaus, Friedbert Pflüger, in die Kritik geraten. Früher als vorgesehen wird Schmitt im Februar den Landesvorsitz niederlegen. Der ebenfalls im CDU-Kreisverband Charlottenburg-Wilmersdorf eingetragene Pflüger war bei der Versammlung am Freitag nicht zugegen. Statt ihm votierte der automatisch aufgerückte Olaf Schwennesen.

In seiner Werberede vor den Delegierten hatte Wegener als einziger Gegenkandidat auf eine direkte Bezugnahme zur gegenwärtigen Krise der Berliner CDU weitgehend verzichtet. Er mahnte stattdessen, die CDU müsse das bürgerliche Thema Bildung besetzen. Wegener bezeichnete sich zwar als "knochentrockenen Konservativen". Er kämpfe aber für Integration von ausländischen Bürgern. Integrationspolitik könne jedoch nur über Bildung gelingen.

"Ganz-Klein-Wilmersdorf" statt Großstadtpartei

Der herausgeforderte Schmitt sagte in seiner Rede, die aktuelle Lage in Berlins CDU mache ihn betroffen. Er beklagte, dass die Partei in den vergangenen drei Jahren geschlossen gewesen wäre, aber zuletzt das Vertrauen zu Friedbert Pflüger kaum mehr gegeben gewesen sei. Schmitt gestand, nicht alles richtig gemacht zu haben. Dass allerdings Wegener ihm vorab in einer Berliner Zeitung parteischädigendes Verhalten vorgeworfen habe, sei ungehörig. Ein Delegierter nannte die Auseinandersetzung einer Großstadtpartei unwürdig. Das Ganze sei vielmehr "Ganz-Klein-Wilmersdorf."

Der 51-jährige Jurist Schmitt hat seit 2005 den Berliner CDU-Landesvorsitz inne und ist seit 2005 Mitglied des Bundestages. Bis 2005 saß er sechs Jahre lang im Europaparlament. Er ist seit 1975 Parteimitglied. Der in Schleswig-Holstein geborene Wegener ist seit 1985 Mitglied der CDU und lebt seit 1991 in Berlin. (peg/ddp)

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