Berliner CDU : Ingo Schmitt verteidigt sich vor der Basis

Ingo Schmitt besucht erneut eine Regionalkonferenz. Geballte Kritik richtete die Basis vor allem gegen den EX-CDU-Chef.

Sabine Beikler

Gelb-schwarze Anemonenfische schwimmen durch sanft bewegte Unterwasserpflanzen, ein Panda-Panzerwels zieht gemächlich seine Bahnen. Aquarien können eine beruhigende Wirkung haben – nur nicht auf alle der 150 CDU-Mitglieder, die sich am Sonnabendmorgen zur dritten Regionalkonferenz der Bezirke Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Pankow in der aquarienreichen Cafeteria des Tierparks versammelt hatten: Es ging hart zur Sache. Geballte Kritik richtete die Basis vor allem gegen Ingo Schmitt, dem zurückgetretenen Landeschef. Schmitt, der bei der letzten Konferenz in Kreuzberg nur schwieg, meldete sich deshalb erstmals bei der Basis zu Wort – nach drei Stunden.

„Warum sollte Schmitt einen guten Listenplatz bekommen“, fragte zum Beispiel Eckart Clausen, Anwalt und Lichtenberger CDU-Mitglied. Ein Pankower CDU- Mann sprach von Schmitt als „Mitverursacher der Krise“ seiner Partei. Auch Christian Walther, der gegen den designierten Parteichef Frank Henkel antreten will, sagte, Schmitts Stärke sei es, „Seilschaften zu bilden“. Er sehe deshalb keinen Grund, ihn auf einem vorderen Listenplatz zu nominieren. Ex-CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger sagte dazu nichts.

Henkel, der zusammen mit seiner gewünschten Stellvertreterin Monika Grütters über einen kraftvollen Neuanfang der CDU, neue Strukturen und eine stärkere Einbeziehung der Mitglieder sprach, versuchte vergeblich, Schmitt den Rücken zu stärken. Schmitt habe 2005 Verantwortung als CDU-Landesvorsitzender übernommen, und er sei „in der Öffentlichkeit in eine Rolle gedrängt worden, die ihm nicht gerecht wird“.

Schmitt verteidigte sich vor der Basis. Er habe sicher nicht alles richtig gemacht. Aber er bitte alle, sich kritisch mit seiner Arbeit im Bundestag auseinanderzusetzen. „Dann kann das Urteil Ja oder Nein lauten. Aber nicht, weil Sie glauben, dass ich am Ende der Zeit als Landeschef Fehler gemacht habe.“ Ein CDU-Mann sagte danach leise: „Jetzt bittet er um Gnade.“ Schmitt will wieder in den Bundestag. Es ist offen, welchen Listenplatz er auf dem Nominierungsparteitag am 22. November erhalten wird. Heute lädt die CDU zur Regionalkonferenz für Spandau, Mitte, Reinickendorf und den Kreisverband Charlottenburg-Wilmersdorf ein. Kreischef ist Schmitt. Seit 18 Jahren. Sabine Beikler

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