Berliner CDU : Ratgeber aus besseren Zeiten

Die Berliner CDU versucht gerade, sich neu zu erfinden. Eberhard Diepgen hilft dabei mit, denn der Beratungsbedarf ist offenbar ernorm.

Werner van Bebber
Eberhard Diepgen
Eberhard DiepgenFoto: doris spiekermann-klaas

Frank Henkel hat Politik nicht nur, aber auch von Eberhard Diepgen gelernt. Noch ist der designierte Landeschef nicht gewählt, da baut er sein Konzept so aus, dass man Diepgens Vorstellungen von einer Großstadtpartei darin wiederfindet. Wann immer Henkel dieser Tage über die Aussichten der Berliner CDU spricht, macht er eins ganz deutlich: Er will sich nicht festlegen lassen auf den Fachmann für innere Sicherheit. Denn Sicherheit, so sagte er jetzt bei seinen Auftritten, sei immer auch soziale Sicherheit. Und die sei Voraussetzung der Freiheit zur Selbstverwirklichung. Das ist, wenn man so will, der reine Diepgen.

In seinem Diskussionspapier hatte der Ehrenvorsitzende der Berliner CDU geschrieben, es sei „für meine Bindung an die CDU“ sehr wichtig, dass Henkel Sicherheit auch sozial definiert habe, dass er „Solidarität und Subsidiarität als Kernbegriffe der Unionspolitik“ verstehe.

Diepgen hat – wie Henkel, der 2001 dessen Büro im Roten Rathaus leitete – eine CDU im Sinn, die nicht nur für liberale Marktwirtschaftler da ist. Seine CDU war eine (West-)Berliner Volkspartei der „kleinen Leute“, der Mittelständler, der Angestellten, der Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und der Arbeiter in den Berliner Industriebetrieben. Das Konzept gab Diepgen und dem damaligen Fraktionschef Klaus Landowsky recht, es war jedenfalls bis weit in die neunziger Jahre erfolgreich. Diepgen hat sich mit Ratschlägen während der Führungskrisen der vergangenen Jahre zurückgehalten. Nach dem Sturz von Friedbert Pflüger und dem Abgang von Ingo Schmitt aber wurde der Langstrecken-Regierende sogar in die Perspektivkommission seiner Partei gebeten. Nicht alle fanden das gut. Aber der Beratungsbedarf in der Berliner CDU ist offenbar ernorm.

Frank Henkel gilt dennoch in der Berliner CDU nicht als Diepgen-Schüler. Das Soziale, das Gefühl für eine Großstadtbevölkerung, die nicht allein aus Professoren und Anwälten besteht, nehmen ihm seine Parteifreunde ab. Noch aber sehen sie darin eine Chance, bei den ganz normalen Leuten wieder anzukommen. Mit der Entscheidung für Frank Henkel – so sagen es jene, die in der Berliner CDU Verantwortung tragen – sei noch nichts über irgendwelche Spitzenkandidaturen für das Jahr 2011 gesagt. Auch Henkel sehe das nicht so, sagen Leute, die ihm nahestehen – er wolle jetzt erst einmal den Fraktions- und bald den Landesvorsitz in den Griff bekommen. Henkel gilt – das schätzen viele in der CDU – nicht als Zocker, der sich aus dem Stand alles mögliche zutraut.

Die Frage aber, wer es denn mit Klaus Wowereit aufnehmen könnte, bewegt einige in der Berliner CDU. Monika Grütters, die designierte Landes-Vize und Spitzenkandidatin für den Bundestag, komme wohl nicht infrage, heißt es. Von Frank Steffel glauben manche, dass er es noch einmal wissen wolle. Peter Kurth gilt ebenfalls als Kandidat in spe. Aber das sind für die Berliner CDU erst die Probleme von übermorgen. Werner van Bebber

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