Berliner FDP : Der vierte Mann steht vor dem Ausstieg

Der Streit im FDP-Kreisverband erreicht die Landesebene. Auch ein Parlamentarier denkt jetzt an einen Wechsel.

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Albert Weingartner.
Albert Weingartner.Foto: promo

Er weiß noch nicht, ob er die FDP verlässt. Albert Weingartner, Abgeordneter aus Tempelhof-Schöneberg, könnte der vierte liberale Aussteiger innerhalb weniger Tage sein. Damit erreicht der interne Streit direkt den Landes- und Fraktionschef Christoph Meyer.

Weingartner, Fachmann für Stadtentwicklungspolitik im Abgeordnetenhaus, hat sich noch nicht entschieden, ob er, wie drei Bezirksverordnete aus seinem Bezirksverband, bei der Union um politisches Asyl bitten wird. Sein Ärger mit den Liberalen in Tempelhof-Schöneberg hat auch andere Ursachen als der Frust der drei abtrünnigen Bezirksverordneten. Die kritisieren vor allem den Chef des Bezirksverbands, Holger Krestel, der sich angeblich für die Kommunalpolitik nicht interessiert haben soll.

Weingartner hingegen liegt seit Jahren im Streit mit dem Kollegen Abgeordneten Mirco Dragowski – und schon deshalb muss sich Fraktionschef Christoph Meyer Sorgen um die Entwicklung in einem der mitgliederstärksten Berliner FDP-Verbände machen. Hinzu kommt, dass Dragowski wie Meyer zur machtbewussten Generation der Mitte Dreißigjährigen gehört, die in der Fraktion den Ton angeben und eng zusammenarbeiten. Würde Weingartner, Betriebswirt und Jahrgang 1951, die FDP verlassen, wäre die Fraktion um ein Mitglied ärmer, das der dominanten Kohorte der Mitte der 70er geborenen Juristen nicht angehört.

Noch ist das Theorie – und die am Konflikt Beteiligten versuchen, ihm die Giftigkeit zu nehmen. Weingartner will in Ruhe nachdenken. Meyer hat mit Weingartner geredet und ihm vermitteln können, Weingartners politische Arbeit sei weiter erwünscht.

Als Ursache der Tempelhof-Schöneberger Streiterei gelten – darüber ist man sich immerhin einig – „menschliche Verwerfungen“, vor allem zwischen Weingartner und Dragowski. Anders gesagt: Es geht um Einfluss im Verband Tempelhof-Schöneberg, von dem erfahrene Liberale sagen, dort habe sich jeder schon moralisch etwas zuschulden kommen lassen und andere auszumanövrieren versucht.

Weil die Grenze zwischen Politik und Vereinsintrige offenbar schon vor langer Zeit überschritten worden ist, hat Fraktions- und Landeschef Christoph Meyer das Problem in Tempelhof-Schöneberg von seinem Vorgänger Markus Löning übernommen. Wie er es lösen wird, ist noch nicht zu sehen. Auch andere große, mit der Bezirksfusion zusammengefügte Verbände hätten zunächst befriedet werden müssen, heißt es in der FDP. Im kommenden Jahr werde sich zeigen, ob Meyer und seine Generation das geschafft hätten.

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