Berliner FDP : Personalkarussell

Wechsel an der FDP-Fraktionsspitze: Der künftige Chef Christoph Meyer sucht Mitstreiter und einen Stellvertreter.

Noch ist er nicht gewählt, da muss Christoph Meyer schon zeigen, dass er Macht verteilen kann. Der designierte neue Vorsitzende der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus hat den Montag damit verbracht, Stellvertreter zu suchen und zu finden. Dabei dürfte ihm sein Talent zum vernetzten Denken die Gespräche mit den Kollegen erleichtert haben. Meyer ist mit 33 Jahren ein junger Politiker, doch im Umgang mit innerparteilicher Stärkung von Freunden und Schwächung von Gegnern kann mancher Ältere sicher viel von ihm lernen.

Der Jurist aus dem Bezirksverband Charlottenburg-Wilmersdorf setzt dabei weniger auf eine eigene Hausmacht – im Ortsverband Wilmersdorf ist er stellvertretender Vorsitzender – als auf weitreichende Kommunikation. Meyer spricht mit vielen, direkt oder per Mobiltelefon, dessen Akku am Ende vieler Tage leer sein dürfte. Er gilt als einer, auf den man sich verlassen kann. Markus Löning, der FDP-Landeschef, hat das lange getan. Noch als Löning vor einem Jahr von Fraktionschef Martin Lindner als Landesvorsitzender herausgefordert wurde, konnte er sich auf den Mehrheitsorganisator Christoph Meyer verlassen.

Jetzt aber verfolgt Meyer, dessen jungenhaftes Lächeln seinen Ehrgeiz freundlich aussehen lässt, Ziele, die perfekt zu denen von Lindner passen. Lindner will weg aus der Fraktion, Meyer will sein Amt – da war die Mehrheit plötzlich da, die Lindner am Sonnabend brauchte, um den ersten Listenplatz für den Bundestag zu holen.

Meyer setzt, so sieht es jedenfalls von außen aus, gern auf Parteifreunde seiner Generation. Von den Endzwanzigern und Mittdreißigern gibt es einige in der Fraktion und in der Partei. So gilt Björn Jotzo, Fachmann für Innenpolitik und Wilmersdorfer Ortsverbandschef, als möglicher Stellvertreter. Wie geschickt Meyer mit denen umgeht, die schon unter Lindner die Fraktionsarbeit geprägt haben, muss sich erweisen. wvb.

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