Berliner Grüne : Die alten sind die neuen Chefs

Die Grünen hielten ausführlich Ausschau nach Vorstandskandidaten und setzten dann doch auf bewährte Kräfte.

Werner van Bebber
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Kraftwerk als Torte. Die alten, neuen Chefs der Grünen, Stefan Gelbhaar und Irma Franke-Dressler, servierten selbst. Foto: dpa

An potenziellen Parteichefs fehlt es den Berliner Grünen nicht. Vier Kandidaten für die beiden Vorstandsämter, die doch nur Ehre und Arbeit bringen, Realos und Alles-in-Frage-Steller: die Partei der Grünen mit ihren gut 4000 Mitgliedern befindet sich in guter Grund- und Wahlkampfstimmung. Da ist die Übernahme eines Führungsamtes sozusagen Ehrensache. Am Ende des Samstagnachmittags waren mit Irma Franke-Dressler und Stefan Gelbhaar die alten Chefs auch die neuen geworden, wenn auch mit jeweils knappen Mehrheiten. Das lässt ahnen, dass sie für die gute Verfassung der Partei deutlich mitverantwortlich gemacht werden.

Grundsatz- und Richtungsstreit ist bei den Grünen zur Zeit nicht angesagt – da werden Führungsfragen nach anderen Kriterien entschieden. Bei den Berliner Grünen stellt sich, wie bei den Bundesgrünen, dann die Frage nach der Generation, die in der Partei den Ton angibt. Das bekam Irma Franke-Dressler, seit zwei Jahren Landeschefin, zu spüren, aber auch ihr Kollege Stefan Gelbhaar. Franke-Dressler ist Realpolitikerin, Jahrgang 1946, kommt aus dem Öko-Bürgertum im Berliner Südwesten und hat im Bezirk Steglitz-Zehlendorf die Zählgemeinschaft mit der CDU mit organisiert.

Gegen sie trat Marion Hasper an, fast zwanzig Jahre jünger, Umweltberaterin von Beruf und von der Überzeugung getragen: „Es geht noch besser.“ Die Grünen sind noch immer die Partei, in der jeder jeden, den er kennt, zur Begrüßung umarmt – Konflikte werden deshalb freundlich ausgetragen. Hasper unterlag Franke-Dressler mit 67 zu 73 Stimmen. Daraufhin trat die Umweltfachfrau aus Tempelhof-Schöneberg abermals an, jetzt gegen den amtierenden Vorstand Stefan Gelbhaar und dessen 29-jährigen Herausforderer Florian Peschelt.

Gelbhaar, schlaksig, nett und unpolemisch, will im Vielfach-Wahljahr 2009 „anschieben, koordinieren, unterstützen“. Das mögen die Grünen – „Inhalt“ kann jeder von ihnen, dazu braucht man keinen Chef. Gelbhaars Gegner Florian Peschelt sieht das anders. In einer zehn Minuten langen, freien Rede erzählte er lächelnd seinen Parteifreunden von all den Themen, über die sie seit 30 Jahren nicht mehr nachdenken – wie er meinte. Das reicht von der Emanzipation bis zum Arbeitsleben. Die Gesellschaft, so Peschelt, werde den Grünen zum Trotz „von den alten weißen Männern beherrscht“. Die Mischung aus Hardcore-Idealismus und Träumerei brachte Peschelt sieben Stimmen. Gelbhaar wurde mit 78 Stimmen gewählt, Hasper unterlag mit 54.

Zuvor hatte Michael Cramer, einer von den weißen alten Männern, seinen Grünen erklärt, warum er unbedingt wieder ins Europa-Parlament will. Klimaschutz, Bürgerrechte, Chancengerechtigkeit – Cramer hat viel vor, auch nach 30 Jahren in der Politik.

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