Berliner Schulen : Bei Unterrichtsausfall schickt der Senator die Eingreiftruppe

Bildungssenator Zöllner will Beschwerden von Eltern künftig schneller nachgehen. Elternsprecher Schindler lobt die „geniale“ Idee, doch Schulräte sehen Zeichen des Misstrauens.

Susanne Vieth-Entus

Eine Art Task Force soll künftig dafür sorgen, dass Beschwerden über Unterrichtsausfall schnell nachgegangen wird. Das ist eine der Neuerungen, mit denen Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) das kommende Schuljahr beginnen will. Nach Informationen des Tagesspiegel ist das zwölfköpfige Gremium, das aus Schulaufsichtsbeamten besteht, bereits benannt worden. Leiter ist der Lichtenberger Schulrat Dirk-Christian Stötzer. Landeselternsprecher André Schindler findet Zöllners Idee „genial“. Aus Kreisen der Schulleiter und Schulräte kommen aber eher ablehnende Reaktionen.

Die neue Truppe, die sich „Organisationsberatung“ nennt, soll schnell aktiv werden, wenn es „Beschwerden oder Pressemitteilungen über Unterrichtsausfall“ gibt. Nur Jürgen Zöllner, sein Staatssekretär und der zuständige Abteilungsleiter sind befugt, die „Task Force“ in Gang zusetzen. Die Mitglieder, die alle hauptamtlich in den Außenstellen der Bildungsverwaltung tätig sind, sollen nach ungenutzten Kapazitäten in den Schulen fahnden und herausfinden, ob sich durch eine andere Unterrichtsstruktur oder einen anderen Personaleinsatz etwas verbessern lässt oder ob tatsächlich mehr Personal eingestellt werden muss. Das Gremium soll sich so organisieren, dass einige der Mitglieder jeweils sofort in der Lage sind, tätig zu werden.

Zöllner setzt darauf, dass die externen Aufsichtsbeamten einen unvoreingenommeneren Blick auf die Schulen haben. Denn in der Praxis ist es oft so, dass Schulräte und Schulleiter schon jahrzehntelang zusammenarbeiten und sich manche Routine, aber auch Kumpanei oder Animositäten eingeschleifen. Die Betroffenen sehen das anders. „Wir kennen die Probleme vor Ort doch viel besser als diese Eingreiftruppe“, schimpft ein Schulrat, der sich darüber beschwert, dass Zöllner mit seiner Neuerung „den Dienstweg aufhebt“. Anstatt erst einmal von einer „Unschuldsvermutung“ auszugehen, werde den Betroffenen praktisch unterstellt, dass sie von sich aus nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft hätten.

Darüber, ob die Schulen wirklich alles versuchen, um Unterrichtsausfall zu vermeiden, gibt es unterschiedliche Auffassungen. Tatsache ist, dass es bei vergleichbaren Schulen oft sehr unterschiedliche Ausfälle gibt, weil sie verschieden mit ihren Kapazitäten umgehen. Elternvertreter Schindler hat zudem beobachtet, dass Schulen ihre Ausfallstatistiken mitunter „falsch ausfüllen“ und auch den Eltern gegenüber nicht die tatsächlichen Zahlen nennen. Deshalb begrüßt er es, wenn künftig Fachleute von außen den Dingen auf den Grund gehen.

„Die Probleme der Schulen sind viel zu kompliziert, um sie auf Zuruf durch eine Eingreiftruppe kurzfristig zu lösen“, meint hingegen Gerhard Schmid, Oberschulrat und Sprecher des Bundes Freiheit der Wissenschaft. Er fürchtet, dass die „Organisationsberatung“ letztlich zur Einschüchterung der Schulleiter führt. „Ich bin nicht als Rambo-Typ verschrien“, versucht Task-Force-Leiter Stötzer solche Befürchtungen zu zerstreuen. Seine Aufgabe bestehe einfach darin „personelle Ressourcen zu erkennen“.

„Eigentlich kann es ja nicht schaden, wenn etwas Bewegung in den Laden kommt und wenn alle Seiten eine ehrliche Bestandsaufnahme machen“, meint Weißenseer Schulleiterin Karla Werkentin. Andererseits sei das ganze System aber wohl zu unflexibel, um die Probleme so einfach lösen zu können.

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