Berliner Schulen : Zöllner verspricht: Alle Lehrerstellen werden besetzt

Berlins Schulsenator Jürgen Zöllner will zusätzliches Personal einstellen. Bereits 550 Bewerbungen für den Vertretungsunterricht stehen den Schulen zur Verfügung.

Susanne Vieth-Entus
Zoellner
Zufrieden. Bildungssenator Zöllner glaubt an genügend Lehrer an den Berliner Schulen. -Foto: ddp

Zu Beginn des neuen Schuljahres hat Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) zugesagt, freie Lehrerstellen schnell zu besetzen. „Sollte eine Schule eine zu geringe Ausstattung haben, werden weitere Umsetzungen und gegebenenfalls auch Einstellungen vorgenommen“, kündigte er gestern an. Ziel bleibe es, dass alle Schulen 100 Prozent ihres Personalbedarfs ab sofort zur Verfügung haben müssten. Darüber hinaus gab er einen Überblick über aktuelle Daten und Neuerungen zum Schuljahresbeginn.

Als wichtigste Neuerung nannte er, dass allen Schulen das Angebot gemacht wurde, ein dreiprozentiges Budget für den Vertretungsunterricht zu bekommen. Wie berichtet, haben 82 Prozent der Schulen davon Gebrauch gemacht. Wenn sie keine eigenen Kräfte mobilisieren können, steht ihnen ein zentraler Pool mit mehr als 550 Bewerbern zur Verfügung. Zöllner verwies darauf, dass trotz eines Rückgangs um 7700 Schüler rund 220 Lehrer neu eingestellt wurden. 60 Lehrer wurden aus Brandenburg übernommen. Zusätzlich kamen rein rechnerisch 170 Stellen hinzu, weil etliche Lehrer ihre Teilzeit- zu Vollzeitstellen aufstocken. Insgesamt ergibt sich damit ein Plus von 450 Stellen. Zudem wurden rund 1300 Lehrkräfte wegen Schulschließungen oder wegen des regionalen Schülerrückgangs umgesetzt.

Der Anteil der Migranten an der Gesamtschülerschaft hat sich innerhalb von drei Jahren von 23,9 auf 28 Prozent gesteigert. Inzwischen ist etwa jeder dritte Erstklässler nichtdeutscher Herkunft. Besorgt reagieren die Schulleiter, weil diesen steigenden Migrantenzahlen stagnierende Mittel zur Sprachförderung gegenüberstehen. Wenn dann auch noch Lehrer fehlten, gehe das zusätzlich zu Lasten der Migranten. Schon jetzt haben einige Schulen beschlossen, bei ihren Sprach- oder Behindertenförderstunden Abstriche zu machen, weil sie andernfalls die Pflichtstunden nicht abdecken können.

Die Opposition warnte denn auch gestern vor drohender Personalknappheit. „Die Idee von mehr Eigenständigkeit der Einzelschule ist gut, aber die Grundlagen sind zu knapp bemessen,“, sagte der CDU-Abgeordnete Sascha Steuer. Angesichts der personellen und mitunter auch räumlichen Engpässe der Schulen forderte Steuer von Zöllner, darauf zu verzichten, die sogenannte flexible Schulanfangsphase mit ihrer anspruchsvollen Jahrgangsmischung im kommenden Jahr verpflichtend einzuführen.

Özcan Mutlu von den Bündnisgrünen nannte die Personalkosten-Budgetierung zwar einen „richtigen und überfälligen Schritt,“ jedoch zeige die Realität, dass drei Prozent zu wenig seien, um den Bedarf zu decken. Die FDP-Politikerin Mieke Senftleben forderte, „alle nötigen Nachbesetzungen von Lehrerstellen spätestens bis Mitte der kommenden Woche“ zu erledigen. Dagegen lobte Landeselternsprecher André Schindler, Zöllner habe „seine Hausaufgaben anscheinend gemacht“ . Allerdings reiche die Vertretungsreserve in Höhe von drei Prozent des gesamten Personalbudgets nur aus, „wenn alle Beteiligten einen reibungslosen Ablauf bei der Verpflichtung von Vertretungslehrkräften gewährleisten“.

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