Berliner Wirtschaft : Auf dem Weg nach Westen

Mehr als 4000 polnische Unternehmen gibt es bereits in der deutschen Hauptstadt. Seit dem EU-Beitritt steigt die Zahl rapide. "Berlin ist die beste Stadt für Investitionen".

Sabine Hölper

Eine bessere Fürsprecherin als Solange Olszewska kann sich der Berliner Wirtschaftssenator Harald Wolf nicht wünschen: Die Unternehmerin lobt den Standort Berlin über den grünen Klee: Hier seien die Mieten günstig, die Mitarbeiter kreativ und das Lohnniveau relativ niedrig. Kurzum: "Berlin ist die beste Stadt für Investitionen“, sagt die gebürtige Polin. Sie muss es wissen. Seit 1994 verkauft die Geschäftsführerin der Solaris Deutschland GmbH von Wittenau aus Busse nach ganz Deutschland. Der Hauptsitz des Unternehmens Solaris Bus & Coach, das die 56-Jährige gemeinsam mit Ehemann Krzysztof führt, ist zwar im polnischen Poznan, dort werden die Busse produziert. Doch nur mithilfe der 20 Mann starken Niederlassung in Berlin konnte das Unternehmen so viele deutsche Kunden gewinnen, glaubt Olszewska.

Als Solaris den deutschen Absatzmarkt und Berlin als idealen Firmenstandort entdeckte, waren polnischstämmige Unternehmer hierzulande noch die Ausnahme. Auch acht Jahre später, als der polnische Mineralölkonzern Orlen 500 Tankstellen in Deutschland kaufte – 17 davon in Berlin – zählte die Industrie- und Handelskammer Berlin gerade einmal 535 polnische Unternehmen. Doch seit der EU-Osterweiterung im Mai 2004 hat sich die Zahl vervielfacht: Ende 2006 registrierte die IHK 4033 polnische Unternehmen in der Hauptstadt. Damit rangieren Gewerbetreibende aus dem östlichen Nachbarland jetzt auf Platz zwei der nichtdeutschen Unternehmer hinter den Türken.

"Wir setzen auf Qualität"

Bei vielen dieser Firmen handelt es sich – wie bei Solaris oder Orlen – um große polnische Unternehmen, die den attraktiven deutschen Absatzmarkt für sich gewinnen wollen. "Ihr Ziel ist es, die eigenen Marken in Deutschland zu etablieren“, sagt Christoph Lang, Pressesprecher von der Organisation Berlin Partner, die ausländische Firmen bei der Investition in Berlin unterstützt. „Das gelingt ihnen“, fährt Lang fort, "weil die Marken in Deutschland einen guten Ruf haben, manchmal ist er hier besser als im eigenen Land.“ So positionieren sich die polnischen Firmen auch keineswegs als Billigheimer. "Wir setzen auf gute Beratung und Qualitätsprodukte“, sagt Magda Dabska, Pressesprecherin des Warschauer Kinderkaufhauses Smyk. Das Konzept scheint aufzugehen. Heute eröffnet die Firma ihre zweite Filiale in Berlin – im neuen Einkaufszentrum Alexa. Ende des Monats wird Laden Nummer drei in Wilmersdorf eröffnet. "Wir haben expandiert, weil unser erstes Geschäft im Steglitzer Schloss, das seit März 2006 existiert, sehr gut angenommen wurde“, sagt Dabska.

Während Smyk sich vorerst auf Berlin konzentriert, nutzen andere Unternehmen die Hauptstadt als Sprungbrett in den Westen. Die Warschauer Firma Cezex Papier GmbH zum Beispiel will von ihrer Niederlassung in Marienfelde aus "in einem ersten Schritt den deutschen Markt erobern“, sagt Geschäftsstellenleiter Sebastian Pypec. "Niederlassungen in Hamburg, München, Stuttgart, Dresden und Köln sind geplant. Danach machen wir hinter der portugiesischen Grenze halt.“ Aber nicht jeder polnische Unternehmer hat derart große Pläne. Bei vielen Firmen handelt es sich um kleine und mittelständische Unternehmen, aufgebaut von in Berlin lebenden Polen. Zum Beispiel der Lebensmittelladen Klon in Charlottenburg oder – einen Steinwurf entfernt – das Grafikbüro Goscha Nowaks. Hinzu kommen noch 2394 Handwerksbetriebe, womit annähernd jeder zehnte selbstständige Handwerker in Berlin polnischer Herkunft ist. Deren Motivation ist allerdings oft ganz profan: Polnische Arbeitnehmer dürfen in der Regel nicht als Angestellte in Deutschland arbeiten. Noch bis 2011 gelten die Beschränkungen – aus Angst vor Lohndumping. Bis dahin wird die Zahl der polnischen Handwerksbetriebe voraussichtlich weiter steigen. Vor allem aber werden sich immer mehr polnische Handels- und Industriebetriebe in Berlin ansiedeln, sagt Tomasz Urbanski, Botschaftssekretär in der Abteilung für Handel und Investitionen bei der polnischen Botschaft in Berlin, voraus. Das derzeit noch recht geringe Investitionsvolumen von deutschlandweit gut 500 Millionen Euro werde ebenfalls ansteigen. Den Wirtschaftssenator wird es freuen.

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