Bevölkerungswandel : 25 Nationalitäten in einer Kita

Wie reagiert Berlin auf den Bevölkerungswandel? Gestern stellte Klaus Wowereit seine Ideen auf einer „Stadtrundfahrt“ vor.

Sabine Beikler
Wowereit
Beim Nachwuchs. Der Regierende Bürgermeister besuchte gestern auch junge Berliner. -Foto: ddp

Dem vierjährigen Ali ist der Mann, der sich ihm gegenüber hinhockt, nicht ganz geheuer. „Na, was willst du denn mal werden? Vielleicht Regierender Bürgermeister?“, fragt der Mann. Ali schaut unter seiner Baseballmütze Klaus Wowereit skeptisch an, überlegt und schüttelt dann entschieden den Kopf. Dabei kennt er noch gar nicht die Probleme, die der demografische Wandel einem Bürgermeister in der Zukunft bescheren wird.

Dass es künftig mehr ältere Menschen geben wird, betrachtet Wowereit als „Herausforderung und nicht als Bedrohung“. Auf einer „demografischen Stadtrundfahrt“ besuchte er am Donnerstag eine Kita in Moabit, die neue Geschäftsstelle der Landesseniorenvertretung, ein altersgerechtes Wohnprojekt in Marzahn und eine Alzheimer-Forschungsgruppe an der Freien Universität.

Der Senat will bis Ende 2008 ein Demografiekonzept vorlegen, das systematisch Leitziele in der Stadtentwicklungs-, Integrations- und Gesundheitspolitik beschreibt – etwa den Bau altersgerechter Wohnungen. Denn die Bevölkerungszahl von rund 3,4 Millionen Einwohnern bleibt höchstens noch 15 Jahre stabil – dank der Zuzüge aus dem Ausland. Bis 2050 wird die Einwohnerzahl aber auf drei Millionen Menschen schrumpfen. Zunehmen wird dagegen der Altersdurchschnitt: Zurzeit liegt er bei 42,4 Jahren – in 15 Jahren wird er schon bei 44 Jahren liegen. Und: Trotz des aktuellen Babybooms – die Zahl der Geburten stieg im Vergleich zum Vorjahr in den ersten Monaten um fünf Prozent – werden im Jahr 2020 mehr Menschen über 65 Jahre in Berlin leben als je zuvor.

„Wir brauchen andere Wohnformen, um im Alter so wenig wie möglich stationäre Pflege in Anspruch zu nehmen“, sagte Wowereit. Berlin müsse aber auch attraktiv für junge Menschen bleiben. Durch den Zuzug von Migranten müssten deshalb auch „Sprachförderung und Kinderbetreuung weiter ausgebaut werden.“ In der Moabiter Kita werden 150 von insgesamt 185 Kindern aus Migrantenfamilien betreut. „Wir haben bis zu 25 Nationalitäten“, sagte Leiter Ralf Schnell. Deshalb lege die Kita großen Wert auf Sprachförderung.

Während der Staat viel Geld für die Kinderbetreuung ausgibt, ist die Unterstützung der Lobbyarbeit für Senioren mangelhaft, sagte Heidemarie Fischer, Vorsitzende der Landesseniorenvertretung. „Wir brauchen vor allem mehr Unterstützung für die ehrenamtlich arbeitenden Senioren.“ Die Bezirke würden die Seniorenvertretungen bislang völlig unterschiedlich unterstützen. Wowereit versprach, an die Bezirke zu appellieren, ausreichend Geld für die Interessenvertretungen zur Verfügung zu stellen. Geprüft werden soll auch, die Wahl der Landesseniorenvertretung an die Kommunalwahlen zu koppeln. Außerdem soll die Wahl der bezirklichen Vertreter der über 60-Jährigen künftig auch per Briefwahl möglich sein. Sabine Beikler

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben