Bezirks-Ranking : Mitte ist Unternehmers Liebling

Berlin maximal, das Wirtschaftsmagazin des Tagesspiegels, hat untersucht, wie attraktiv die Bezirke für die Wirtschaft sind. Dabei haben die Stadtteile Mitte und Tempelhof-Schöneberg insgesamt am besten abgeschnitten.

Alexander Visser

Der Unternehmer Hans-Joachim Klose braucht Parkgenehmigungen für seine Firmenfahrzeuge. Per Mail wendet er sich an die zwölf Bezirksämter, um zu erfahren, wo und wie er die Genehmigungen beantragen muss. Charlottenburg-Wilmersdorf reagiert prompt, keine 24 Stunden nach der Anfrage findet er eine kompetente Antwort im Posteingang. In anderen Bezirken sieht das anders aus: Obwohl er per Mail noch einmal nachfragt, bekommt Klose aus Neukölln, Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf nie eine Antwort.

Berlin maximal, das Wirtschaftsmagazin des Tagesspiegels, hat untersucht, wie attraktiv die Bezirke für die Wirtschaft sind. Die fiktive Anfrage des Unternehmers Klose war nur eine von vielen Testkriterien, die das Magazin untersucht hat. Dabei haben die Stadtteile Mitte und Tempelhof-Schöneberg insgesamt am besten abgeschnitten. Ins obere Drittel schafften es auch Friedrichshain-Kreuzberg und Charlottenburg-Wilmersdorf. Am Ende der Rangliste stehen Marzahn-Hellersdorf und Spandau. Auch Neukölln und Lichtenberg gehören demnach zum unteren Drittel der Bezirke.

Mitte verzeichnet seit Jahren reges Bau- und Gründungsgeschehen, viele Firmen wünschen sich eine attraktive Adresse im Zentrum. Es ist daher keine Überraschung, dass Mitte vorne liegt. Mit an der Spitze liegt Tempelhof-Schöneberg. „Es wundert mich nicht, dass unser Bezirk so gut abschneidet“, sagt Ulrich Misgeld, Chef des Lichttechnikunternehmens Semperlux mit Sitz in Tempelhof-Schöneberg. Die Wirtschaftsförderung sei sehr aktiv und Bezirksbürgermeister Ekkehard Band (SPD) kümmere sich persönlich um die Unternehmen im Bezirk. Platz drei im Bezirksvergleich belegt Friedrichshain-Kreuzberg. Das mag überraschen, wird der Stadtteil doch eher als Multikulti-Kiez gesehen, denn als Wirtschaftsstandort. Dabei hat der Bezirk zuletzt besonders viele Firmengründungen und neue Arbeitsplätze gezählt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist im Vergleich zu 2005 um 13,5 Prozent gestiegen. Nur Mitte legte mit 15,8 noch stärker zu. Insgesamt liegt Friedrichshain-Kreuzberg damit noch vor Charlottenburg-Wilmersdorf. Zwar hat die City West bei vielen Tests Spitzenplätze belegt, andererseits wurden auch Schattenseiten sichtbar: So hat Charlottenburg-Wilmersdorf entgegen dem stadtweiten Trend Arbeitsplätze verloren.

Die Bezirke gehen mit sehr unterschiedlichen Ausgangspositionen in den Vergleich. So sind etwa in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf nach der Wende viele frühere DDR-Industriebetriebe weggebrochen. Schlecht schneidet allerdings auch der traditionelle Industriestandort Spandau ab, der unter anderem Siemens und das BMW-Motorradwerk beheimatet. Neue Unternehmen siedeln sich der Untersuchung zufolge hier nur selten an.

Basis des Vergleichs sind Daten aus 16 Wirtschaftsbereichen. Berlin maximal hat sowohl Bestandsdaten (wie zum Beispiel die Anzahl der Unternehmen) als auch dynamische Entwicklungen (Entstehung von Arbeitsplätzen) berücksichtigt. Dabei wertete die Redaktion unter anderem Quellen des statistischen Landesamtes und der IHK aus. Zudem führte sie eigene Tests durch, etwa die E-Mail-Anfrage an die Bezirke. Für jedes Erreichen des oberen Drittels in jedem Bereich gab es zwei Punkte, im mittleren Drittel kam ein Punkt hinzu (siehe Tabelle).

„Es überrascht mich nicht, dass die Innenstadtbezirke vorn liegen, die haben einen natürlichen Standortvorteil“, sagt Handwerkskammer-Präsident Stephan Schwarz. „Andererseits ist es schon erstaunlich, wie unterschiedlich die Bezirke zum Beispiel auf Anfragen reagieren.“ Dass teilweise nicht einmal auf E-Mails reagiert werde, zeige, „dass die Verwaltung an vielen Stellen noch besser werden muss“. Alexander Visser

Mehr dazu im aktuellen „Berlin Maximal“ und unter: www.berlin-maximal.de

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