Bezirksposse : Pankow bleibt als einziger Bezirk ohne Wappen

Erst fand sich für den Großbezirk kein Name, nun bleibt Pankow vorerst ohne Wappen. Der mit der Gestaltung beauftragte Künstler ist abgesprungen, weil er sich vom Bezirksamt bevormundet fühlt.

Werner Kurzlechner

Pankow bleibt wohl über den Jahreswechsel hinaus der einzige Berliner Bezirk ohne eigenes Wappen. Eigentlich sollte der Schild bis Jahresende vom Senat verliehen sein. Doch kurz vor dem Ziel ist der vom Bezirksamt mit der Gestaltung beauftragte Heraldiker Jörg Mantzsch aus Magdeburg abgesprungen. Weil Bezirkskulturstadtrat Michail Nelken (Linke) seinen Entwurf auf laienhafte Weise bemängelt habe und unaufhörlich Einfluss nehmen wollte, habe er den Auftrag zurückgegeben, sagte Mantzsch dem Tagesspiegel. „Ich habe mehr als 500 kommunale Wappen gezeichnet, unter anderem für zwei Drittel der Kreise in Sachsen-Anhalt“, so der renommierte Heraldiker. „Aber so etwas wie in Pankow habe ich noch nie erlebt.“ Er habe konstruktiven Dialog und Einsicht in seine fachliche Kompetenz vermisst.

Prenzlauer Berg, Weißensee und Pankow fusionierten im Jahr 2001

So zermürbend schon die Namensfindung in dem 2001 aus den Altbezirken Prenzlauer Berg, Weißensee und Pankow fusionierten Bezirk verlief, so endlos zieht sich seither die Suche nach einem Hoheitszeichen hin. Die anderen neu formierten Bezirke erhielten ihre Wappen zumeist bis 2003. Zuletzt war Lichtenberg im Februar 2006 an der Reihe. Vergangenen April schien der Durchbruch auch in Pankow geschafft.

Eine von Stadtrat Nelken geleitete Wappenkommission aus Vertretern der Fraktionen in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) und der Heimat- und Geschichtsvereine einigte sich nach einem Ideenwettbewerb auf eine gemeinsame Vorgabe. Ein Tor, ein Rad und Hopfendolden sollen das Wappen zieren. Das Tor erinnert an den dreibögigen Eingang zum Bürgerpark in Pankow, ein Rad als Symbol für die Hinrichtung der heiligen Katharina schmückte schon das alte Wappen aus Weißensee, der Hopfen symbolisiert die Brauereitradition in Prenzlauer Berg. Die Ausarbeitung durch einen Profi erschien als Formalie.

Das sei sie beileibe nicht, bekräftigt Mantzsch. Er müsse nach strengen wappenkundlichen und -rechtlichen Regeln arbeiten. Genau vorgegeben sei etwa, welche Farben verwendet werden dürften und wie verschiedene Motive anzuordnen seien. Nelken hingegen habe sich wohl ein frei gestaltbares Logo gewünscht, so der Heraldiker. Im Juli habe er den Stadtrat nur mit Mühe davon überzeugen können, dass zu Hopfenblüten wegen der eindeutigen Erkennbarkeit zwingend Blätter gehörten. Den vorgelegten Entwurf kritisierte Nelken laut Mantzsch als „gravierend mangelhaft“: „Das Tor ist ihm nicht filigran genug, das Rad wünscht er sich stärker industriell.“

Der zuständige Stadtrat bat um Überarbitung des Wappens

Nelken wollte sich inhaltlich nicht zu den Unstimmigkeiten äußern, bestätigte sie jedoch: „Im Leben gibt es manchmal Meinungsverschiedenheiten.“ Er habe darauf zu achten, dass der vom Bezirksamt gestellte Auftrag erfüllt werde. Der Stadtrat bat Mantzsch um eine Überarbeitung. „Aber das habe ich nicht nötig“, sagt der Wappenkünstler, der sich gerne stärker mit den Mitgliedern der Wappenkommission ausgetauscht hätte. Leider habe er dazu nur wenige Minuten lang Gelegenheit gehabt. Die weitere Kommunikation sei alleine mit dem Vorsitzenden erfolgt. Das sei in der Kommission so abgesprochen gewesen, begründet dies Nelken.

Erstaunt reagierte auf die jüngste Entwicklung Cornelia Schwerin, die die BVV-Fraktion der Grünen in der Kommission vertritt. Kürzlich im Kulturausschuss habe Nelken lediglich mitgeteilt, mit dem Heraldiker im Gespräch zu sein. „Ich werde versuchen, noch einmal mit Herrn Mantzsch zu sprechen“, so Schwerin zum Tagesspiegel. Den Entwurf hatte sie zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht gesehen. Möglicherweise lasse er sich von den Mitgliedern der Kommission noch einmal umstimmen, signalisierte Mantzsch nach Schwerins Gesprächsangebot. Mit dem Stadtrat alleine wolle er aber auf keinen Fall weiter arbeiten.

Der Künstler wurde zur zur vorigen Sitzung der Wappenkommission nicht eingeladen

Dieser will dennoch versuchen, die Wogen zu glätten. „Ich hoffe immer noch, dass wir uns verständigen“, so Nelken. Der Zeitplan sei aber kaum noch einzuhalten. Nur wenn der Zwist bis zur letzten Novemberwoche ausgeräumt sei, könnte laut Nelken wenigstens die Zustimmung der Bezirksgremien bis Jahresende gelingen. Verpasst hat man in Pankow inzwischen eine weitere Chance, Mantzsch zu besänftigen: Zur Sitzung der Kommission an diesem Mittwoch wurde er nicht eingeladen. Über seine Absage informiert der Stadtrat alleine das Gremium. „Der Bäcker erklärt also, wie man Brücken baut“, so Mantzsch süffisant.

Ein neuer Wappenkünstler bräuchte wieder einige Monate Zeit zur Gestaltung. „So etwas geht nicht in zehn Minuten am Küchentisch“, so Jörg Mantzsch. Immerhin entstünden dem Steuerzahler im Falle einer gescheiterten Zusammenarbeit keine Kosten. Mantzsch würde dann auf eine Rechnung verzichten: „Da habe ich meinen Stolz.“

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