Bilanz 1. Mai : Weniger Krawall und mehr Festnahmen

So friedlich war es trotz 138 Festnahmen am 1. Mai seit Jahren nicht mehr. Der Berliner Innensenator Ehrhart Körting lobt die Polizei. Deren Chef sagt: „Randale gab es nur am Rande“

Jörn Hasselmann

Wäre nicht die Attacke auf den Polizeipräsidenten Dieter Glietsch gewesen – die Berliner Polizei hätte am Tag danach noch unbeschwerter die Erfolge gegen Krawallmacher feiern können. So mussten sich Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und Polizeipräsident Glietsch Fragen gefallen lassen, ob nicht Glietsch selbst mit seiner Anwesenheit am Abend des 1. Mai die Situation eskalieren ließ. Wie berichtet, war er dabei von Teilnehmern der sogenannten „Revolutionären 1. Mai-Demo“ angegriffen worden. Glietsch betonte, dass dies nicht vorhersehbar und er auch in den vergangenen Jahren immer vor Ort gewesen sei (siehe Seite 2).

Körting beschrieb die Lage knapp so: „Weniger Krawall, mehr Festnahmen“. Denn zum Konzept der „ausgestreckten Hand“ gehöre auch, dass erkannte Gewalttäter von eben dieser Polizistenhand aus der Menge gefischt werden. Die speziellen Festnahmetrupps agierten dabei nach Aussage von Körting immer erfolgreicher. So wird beobachtet und aufgezeichnet, wer einen Stein wirft, bei nächstpassender Gelegenheit wird der Täter aus der Menge geholt. „Es gibt keine anonymen Straßenschlachten mehr, wo hinterher kein Täter verfolgt wird“, sagte der Innensenator.

„Die Randale am Rande ist bedauerlich, hat den 1. Mai aber nicht geprägt“, sagte Glietsch. Zwei Mal war am Abend unter der Hochbahn an der Skalitzer Straße – also außerhalb des Festbereiches – die Gewalt „aufgeflackert“, wie Körting formulierte. Dabei seien jedoch deutlich weniger Steine und Flaschen geflogen als in den Vorjahren. 90 Polizisten seien leicht verletzt worden; 2007 waren es 115. Offen blieb, ob die Mai-Randale in diesem Jahr geringer ausfiel, weil 150 Autonome nach Hamburg gefahren waren, um gegen den Neonaziaufmarsch zu protestieren. Zudem gab es in diesem Jahr keinen äußeren Anlass, der emotionalisieren konnte – so wie im Vorjahr der G-8-Gipfel.

Allerdings hat eine schwere Panne des Kreuzberger Bezirksamts den in Berlin gebliebenen Randalierern das Krawallmachen erleichtert. Denn es war vergessen worden, die zehn extra aufgestellten Glascontainer zu verriegeln. So wurden gegen 21 Uhr zwei dieser Großbehälter auf der Skalitzer Straße ausgekippt – genau dort dauerten die Scharmützel mit der Polizei dann bis gegen 23 Uhr an. Mehrere Schaulustige und Randalierer, aber auch ein kleines Mädchen, wurden in der Skalitzer Straße durch Flaschenwürfe verletzt. Die Feuerwehr konnte nur mit Unterstützung der Polizei zu den Verletzten vordringen. Auch auf dem Myfest ist der Bezirk mit dem Versuch, die Zahl der Glasflaschen zu verringern, nicht weit gekommen. Zwar haben 35 vom Bezirk bezahlte Sammler 24 500 Flaschen eingesammelt, dies war aber nur der Bruchteil der zuvor dort verkauften Getränkeflaschen.

Dennoch lobten Glietsch und Körting das „Myfest“ als entscheidend für den Rückgang der Gewalt – weil es den Randalierern den Platz nimmt. „Kreuzberg hat die Schnauze voll von Krawall“, sagte Körting. Vor sechs Jahren – damals ohne Myfest – waren 7700 Beamte im Einsatz. In diesem Jahr reichten 4700 Polizisten. Insgesamt wurden 138 Personen festgenommen, gegen 92 sind die Vorwürfe so schwer, dass sie dem Haftrichter vorgeführt werden sollen. Oberstaatsanwalt Jörg Raupach berichtete, dass die Täter teilweise 15 bis 20 Flaschen oder Steine auf Polizisten geschleudert haben. Die Strafen können hoch sein: Im Vorjahr war ein 27-Jähriger für 16 Flaschenwürfe auf Polizisten zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Den letzten Einsatz in der Nacht zum 2. Mai hatte die Feuerwehr: Vermutlich Linksextremisten zündeten am Paul-Lincke-Ufer in Kreuzberg einen hochwertigen Audi an. Auffallend sei mittlerweile die Häufung dieser Taten am Paul-Lincke-Ufer, hieß es.

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