Bildung : Große Klassen: Eltern gehen auf die Straße

Grundschulen mit hoher Migrantenquote bekommen weniger Mittel für die Sprachförderung. Am Dienstag wollen Eltern für den "Traum von Bildungs- und Chancengerechtigkeit" demonstrieren.

Susanne Vieth-Entus

Berlin"Mehr Geld für Bildung - Bildungsnotstand beenden" steht über dem Infoblatt, mit dem Eltern aus den Innenstadtbezirken zu einer Demonstration am morgigen Dienstag aufrufen. Ihre Kritik konzentriert sich darauf, dass auch Klassen mit hoher Migrantenzahl bis zu 26 Kinder aufnehmen müssen. Früher lag die Obergrenze bei 23. Damit gehöre "der Traum von Bildungs- und Chancengerechtigkeit der Vergangenheit an", heißt es im Aufruf des Bezirkselternausschusses Friedrichshain-Kreuzberg, dem sich Mitte angeschlossen hat. Andere Bezirke solidarisieren sich mit der Initiative.

Ausgangspunkt der Kritik ist die Entscheidung von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), die Gelder für die Sprachförderung auch an bildungsferne deutsche Kinder und an Gymnasien mit hoher Migrantenquote zu verteilen. Infolgedessen sind an den Grundschulen mit hoher Migrantenquote jetzt weniger Mittel für die Sprachförderung vorhanden: Sie verloren die Möglichkeit, Klassen mit 20 Kindern einzurichten und für zusätzliche Schüler auch zusätzliche Lehrerstunden zu bekommen, wie es bisher möglich war. Nach den neuen Richtlinien bekommen sie erst zusätzliche Lehrerstunden, wenn sie mehr als 24 Kinder aufnehmen. Zöllner hatte die Neuverteilung der Sprachfördermittel als "gerechter" bezeichnet.

"Nicht gerechter, sondern verantwortungsloser" sei die Neuverteilung, meint der Oberschulrat von Friedrichshain- Kreuzberg und Sprecher des Bundes Freiheit der Wissenschaft, Gerhard Schmid. Natürlich müsse man auch die nicht sprachfähigen deutschen Kinder fördern und auch die Migranten in Gymnasien - aber eben nicht auf Kosten der elementaren ersten Grundschuljahre, kritisiert Schmid den Senator.

Die Empörung der Eltern wird noch dadurch verstärkt, dass auch die Klassen ohne hohe Migrantenquote vor großen Problemen stehen: Viele Schulen beginnen nach den Ferien mit dem jahrgangsgemischten Lernen, obwohl sie auf dieses Konzept noch nicht richtig vorbereitet sind. Der Einstieg wird ihnen zusätzlich dadurch erschwert, dass sie regulär bis zu 28 Kinder aufnehmen müssen. Angesichts der großen Zahl an erst fünfjährigen, verhaltensauffälligen oder/und schlecht geförderten Kindern können sich Eltern und Lehrer kaum vorstellen, wie das zu schaffen ist. Zudem leiden die Schulen darunter, dass die Zusatzstellen für behinderte Kinder gedeckelt sind: Immer mehr Kinder müssen sich die immer gleiche Zahl an Förderstunden teilen.

Die Demo beginnt um 10 Uhr auf dem Mehringplatz am Halleschen Tor. Ziel ist das Abgeordnetenhaus. Die Kinder sollen einen halben Liter Sand dabei haben, den sie "den Politikern vor die Füße schütten".

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