Bildung : Linke fordern eine Schule für alle

Rot-rote Bildungsexperten sind gegen eine Auslese von Schüler durch die unterschiedlichen Schulformen. Sie fordern eine Abschaffung der Gymnasien.

Werner van Bebber

Innerhalb der rot-roten Koalition bahnt sich ein Streit um den Fortbestand des Gymnasiums an. Das geht aus einem Strategiepapier linker Bildungspolitiker beider Parteien hervor. Darin fordern sie eine „Schule für alle“. Das läuft auf die Abschaffung der Gymnasien hinaus, denn „in einem zweigliedrigen Schulsystem wird das Prinzip der Auslese nicht aufgehoben“.

Bildungssenator Jürgen Zöllner hatte vor kurzem angekündigt, er wolle Haupt- und Realschulen zusammenlegen. Ab dem Schuljahr 2010 /2011 soll es „Integrierte Haupt- und Realschulen (IHR) geben. Hauptschulen gelten heute als „Restschulen“, deren Absolventen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ohne Chancen sind.

In dem Strategiepapier der linken Bildungspolitiker heißt es hingegen, es sollten die „Auslesemechanismen“ im ganzen Schulsystem zurückgedrängt werden. Deshalb wollen sie nicht nur wie Zöllner das Sitzenbleiben abschaffen, sondern auch die verbindlichen Bildungsgangempfehlungen. Auch Probehalbjahre soll es nicht mehr geben. Fürs erste verlangen die Bildungspolitiker, die Schulabbrecherquote binnen fünf Jahren zu halbieren. Binnen zehn Jahren soll die Quote der Abiturienten verdoppelt werden. Wie viel Geld das kostet, sagen die Bildungspolitiker nicht.

„Wir brauchen eine Schule, die alle fördert und keinen zurücklässt“, heißt es in dem Papier. Unterschrieben haben es unter anderem Felicitas Tesch, die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, und Steffen Zillich, ihr Kollege von der Linkspartei. Das Strategiepapier mündet in die Forderung, Schulen „entsprechend der sozialen Ausgangssituation“ auszustatten. Anders gesagt: Bei der Zuteilung der Gelder soll berücksichtigt werden, wie viele Kinder aus „sozial benachteiligten Familien“ auf eine Schule gehen.

Trotz der Kampfansage in Sachen Gymnasium bestreiten Tesch und Zillich einen Konflikt mit Zöllner. Zillich sagt, die „Bildungsziele“ seien „nicht als Gegenthesen“ zu Zöllners Plänen gedacht. Tesch sieht sich gar „im Einklang“ mit Zöllner. Allerdings warne sie vor einer „zementierten Zweigliedrigkeit“ des Schulsystems.

Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, rät der Koalition, „ihre Haltung zu den Gymnasien zu klären“. Sascha Steuer, Bildungspolitiker der CDU-Fraktion sieht in dem rot-roten Strategiepapier einen „Frontalangriff auf das Leistungsprinzip“. Seine FDP-Kollegin Mieke Senftleben warnt vor einem „Einheitsschulsystem“. Werner van Bebber

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