Bildung : Linke verhindert Einigung über Sekundarschule

Rot-Rot ist sich nicht einig über die Ausstattung der neuen Sekundarschule: Anders als geplant, konnte der Senat am Dienstag keine gemeinsamen Eckdaten beschließen. Gestritten wird vor allem über die Frage, wie viel Unterricht den Sekundarschülern zustehen soll.

Susanne Vieth-Entus

Rot-Rot ist sich nicht einig über die Ausstattung der neuen Sekundarschule: Anders als geplant konnte der Senat am Dienstag keine gemeinsamen Eckdaten beschließen. Gestritten wird vor allem über die Frage, wie viel Unterricht den Sekundarschülern zustehen soll. Konsens besteht hingegen darin, dass Berlins Haupt-, Real- und Gesamtschulen spätestens zum Schuljahr 2011/12 in Sekundarschulen umgewandelt werden sollen.

Ebenfalls unstrittig ist, dass in der neuen Schule alle Lehrer 26 Pflichtstunden unterrichten sollen. Dies bedeutet für die Haupt- und Realschullehrer eine Reduzierung um eine Wochenstunde. Zudem ist vorgesehen, dass jede Sekundarschule selbst entscheiden kann, ob sie die Nachmittagsbetreuung verbindlich („gebunden“) oder freiwillig („ungebunden“) anbietet. Einer gebundenen Sekundarschule mit vier Klassen pro Jahrgang sollen für die Betreuung am Nachmittag im Schnitt zwei zusätzliche Lehrer, drei Erzieher und zwei Sozialarbeiter zustehen, heißt es aus der Verwaltung.

In einem zentralen Punkt können die Schulen aufatmen: Die Klassen sollen nur aus 25 Schülern bestehen und nicht aus 29, wie es zeitweise hieß. Allerdings werden die Sekundarschulen dadurch wesentlich teurer, denn kleinere Klassen bedeuten einen höheren Lehrerbedarf. Diese Verbesserung will sich Zöllner offenbar durch eine Verringerung der Unterrichtsverpflichtung „erkaufen“: Die Stundentafel soll auf den alten Stand zurückgefahren werden, der vor der Verkürzung des Abiturs auf zwölf Jahre galt. Dies bedeutet, dass Sekundarschüler wieder 31,5 statt 33,5 Wochenstunden haben sollen.

Zöllner hatte einen derartigen Vorschlag schon im vergangenen Jahr gemacht und ihn damit begründet, dass die Schüler am Nachmittag wieder mehr Zeit für Hobbys hätten. Damals gab es viel Protest aus den Schulen, die die zusätzlichen Stunden gern für die Förderung der Schüler behalten wollen – unabhängig davon, ob sie überhaupt Abitur machen wollen oder ob sie es nach zwölf oder 13 Jahren ablegen. Dieser Forderung will Zöllner nicht folgen. Er verweist auf die Hauptschüler, die künftig ja auch in den Sekundarschulen unterrichtet werden sollen: Ihnen seien 33,5 Wochenstunden nicht zuzumuten, glaubt Zöllner.

Der Koalitionspartner will dieser Argumentation nicht folgen. Steffen Zillich, Bildungspolitiker der Linkspartei, fürchtet um die „Gleichwertigkeit“ der Sekundarschulen und der Gymnasien. Es sei ungerecht, wenn die Sekundarschüler in den Klassen sieben bis zehn weniger Unterricht hätten als die Gymnasiasten.  Zillich „reicht es nicht, dass Zöllner sich mit dem Finanzsenator geeinigt hat“.

Auch die GEW lehnt die Stundenkürzung ab: „Das benachteiligt die Sekundarschüler beim Mittleren Schulabschluss“, befürchtet die GEW-Vorsitzende RoseMarie Seggelke. Hingegen hält der grüne Bildungspolitiker Özcan Mutlu es für richtig, die Stundentafel abzuspecken: Die Sekundarschule sei ein Angebot für langsame Lerner: Es mache keinen Sinn, ihnen das gleiche Pensum zuzumuten wie den Schülern, die das Turboabitur anpeilen.

Mieke Senftleben (FDP) findet es empörend, dass das Parlament bisher noch immer nicht mit dieser wichtigen Reform befasst worden sei. Laut Zillich soll das jedoch „noch vor der Sommerpause“ nachgeholt werden. Aber zunächst wird der Senat sich einigen müssen. Wie diese Einigung aussehen könnte, wollten am Dienstag weder Zillich noch Zöllner andeuten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben