Bildung : Losverfahren fürs Gymnasium findet mehr Freunde

Die Vorschläge des Bildungssenators zur Aufnahme an Gymnasien und Sekundarschulen finden jetzt auch bei Kritikern Zustimmung, seit er nicht mehr auf der 50-Prozent-Quote beharrt.

Susanne Vieth-Entus

In der Stadt wächst die Zustimmung zu dem von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) vorgeschlagenen Konzept zur Aufnahme an Gymnasien und Sekundarschulen. Falls nicht die Hälfte, sondern nur ein geringerer Teil der Plätze an nachgefragten Schulen verlost werden sollte, könne man das Konzept unterstützen, hieß es am Sonnabend übereinstimmend vom Landeseltern- und Landesschülerausschuss. Der Verband der Oberstudiendirektoren signalisierte ebenfalls Entgegenkommen. Die FDP hatte schon zuvor gelobt, dass Zöllners Konzept den Elternwillen stärke.

Wie berichtet, sieht Zöllners Konzept vor, dass die Schulen generell die Kinder aufnehmen müssen, die sich bewerben. Nur wenn es mehr Anmeldungen als Plätze gibt, wählt der Schulleiter die eine Hälfte der Schüler aus, die andere Hälfte wird über ein Losverfahren vergeben. Ungeeignete Schüler sollen erst nach einem Probejahr von den Gymnasien abgegeben werden können. Dieses Modell war bereits am Dienstag von der Linksfraktion angenommen worden, während die SPD noch Bedenkzeit forderte.

Auf Kritik stieß in der Öffentlichkeit vor allem der Plan, 50 Prozent der begehrten Plätze über ein Losverfahren zu vergeben. An dieser Stelle hat Zöllner aber inzwischen Entgegenkommen signalisiert: „Die konkrete Prozentzahl ist nicht der Punkt“, sagte er am Freitag in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel. Es komme ihm vor allem darauf an, dass es bei den beiden entscheidenden Gesichtspunkten bleibe: der Profilbildung und einer „fairen Chance für alle“.

Landeselternsprecher André Schindler zeigte sich gestern hoch zufrieden über dieses Signal: „Wenn er durchsetzen kann, dass nicht die Hälfte, sondern nur 20 oder 25 Prozent der Plätze an nachgefragten Schulen verlost werden, dann hat Herr Zöllner mit seinem Konzept den Stein der Weisen gefunden“, sagte Schindler. Sie sei „begeistert“, lautet auch die Einschätzung von Landesschülersprecherin Laura Fritsche. Wichtig sei ihr vor allem, dass es statt eines Numerus clausus ein Probejahr geben soll, lobte Fritsche. Wenn im Fall der Übernachfrage das Los bei etwa einem Viertel der Fälle mitentscheide, sei das in Ordnung.

Ralf Treptow vom Verband der Oberstudiendirektoren hat sich nur zähneknirschend auf Zöllners Konzept eingelassen. Er wollte – ebenso wie der GEW-Schulleiterverband – hohe Hürden vorm Gymnasium mittels NC. „Unter Berücksichtigung der derzeitigen politischen Verhältnisse in der Stadt“ signalisierte Treptow inzwischen aber Entgegenkommen. Wenn der Landeselternausschuss eine Los-Quote von 25 Prozent vorschlage, gehe das in eine „kompromissfähige Richtung“, teilte Treptow jetzt mit. Die CDU beharrt darauf, dass ein mehrtägiger Probeunterricht und ein Test über die Aufnahme entscheiden.

Nun ist die SPD-Fraktion am Zug. Sie wird sich kommende Woche mit Zöllners Konzept beschäftigen. Ihre bildungspolitische Sprecherin Felicitas Tesch ist „guter Hofnung“, dass es dann eine Zustimmung gibt. Sie hatte zwar die 50-Prozent-Quote für das Losverfahren mit Zöllner und der Linkspartei ausgehandelt, wollte sich gestern aber nicht mehr „auf eine Quote festlegen“.

Der bildungspolitische Sprecher der Linkspartei, Steffen Zillich, findet es allerdings schwierig, jetzt einzelne Elemente des Konzeptes „herauszubrechen“. Seine Fraktion habe dem Konzept schließlich als Ganzem zugestimmt. Das jetzt neu zu verhandeln, „würde mehr Zeit kosten und ich weiß nicht, ob wir die haben“.

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