Bildung : Zöllner will Konzept für Schulreform im Januar vorlegen

Die rot-rote Koalition plant, die Haupt-, Real- und Gesamtschule zu fusionieren. Die Bezirke rechnen mit Kosten von 90 Millionen Euro – oder weitaus mehr. Bildungssenator Zöllner hat angekündugt, rasch ein ein Konzept vorzulegen.

Sabine Beikler

Die Bildungsreform, zu der sich die rot-rote Koalition gerade durchgerungen hat, könnte zum Risiko für den Berliner Haushalt werden. Die Bezirke haben für den Plan, der die Fusion von Haupt-, Real- und Gesamtschule ab 2010 bei Erhaltung der Gymnasien vorsieht, einen Finanzbedarf von 90 Millionen Euro veranschlagt – allein für den Umbau von Gebäuden. Dieser Betrag wird nach Meinung von Haushalts- und Bildungspolitikern aber nicht ausreichen. Sie fordern Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) auf, Anfang nächsten Jahres ein pädagogisches Konzept und eine Kostenaufstellung vorzulegen. „Die Reform darf kein Stückwerk werden, sondern muss präzise und seriös umgesetzt werden. Mit Hochdruck muss die Finanzierung geklärt werden“, sagte Haushaltsexperte Carl Wechselberg (Linke). Es sei die „Bringschuld der Verwaltung Zahlen zu liefern, die beim ersten Wurf stimmen“.

Jens Stiller, Sprecher der Bildungsverwaltung, sagte, Zöllner werde im Januar ein Konzept vorlegen. Denn auch in einigen Wochen beginnen die Haushaltsberatungen des Senats über den Doppelhaushalt 2010/2011. Noch gibt es keinen Überblick über die Kosten der Reform, doch eines steht schon jetzt für die Bildungspolitiker fest: „Es wäre für alle schädlich, eine unterfinanzierte Schulreform zu beginnen“, sagten die Bildungspolitiker Felicitas Tesch (SPD) und Steffen Zillich (Linke). Erst diese Woche hat der Senat zu den 32 Millionen Euro für die Sanierung von Schulen ein zusätzliches 50-Millionen-Euro- Konjunkturpaket verabschiedet. Der Charlottenburg-Wilmersdorfer Bildungsstadtrat Reinhard Naumann (SPD) fordert, dass Schulen auch mit Blick auf die Fusion als Nutznießer ausgewählt werden sollen: In zu kleine Standorte solle nicht investiert werden.

Aber welche Schulen sollen bleiben, welche geschlossen werden? Für Neuköllns Bildungsstadtrat Wolfgang Schimmang (SPD) schließt sich diese Frage an ein – noch fehlendes – pädagogisches Konzept an. „Wir brauchen ein ganztägiges Betreuungsangebot“, fordert Schimmang. Dafür müssen neben Klassen- und Fachräumen für differenzierten Unterricht ausreichend Sport- und Freizeiträume, eine Mensa und mehr Personal vorhanden sein. „Es geht nicht nur um Pädagogen, sondern um Honorarkräfte wie Sportler, Künstler, Handwerker, die die Schüler betreuen.“ Schimmang fordert außerdem mindestens vier möglichst zweisprachige Erzieher pro Fusionsschule. Völlig offen ist ebenfalls die Klassenstärke und wie viele Lehrer benötigt werden. Schimmang schätzt grob, dass die Umsetzung eines pädagogischen Konzeptes noch einmal 100 Millionen Euro kosten könnte.

Dass die Hauptschule abgeschafft werden soll, findet Max Wolter, Vorsitzender des Landesschülerausschusses, richtig. Nur hätte er statt der jetzigen Reform lieber das Pilotprojekt Gemeinschaftsschule ausgeweitet. Zustimmung zur Reform kommt vom Grünen-Schulpolitiker Özcan Mutlu. Die neue Schulform dürfe aber keine „Nivellierung nach unten“ bedeuten. FDP-Politikerin Mieke Senftleben bewertet die Reform als „Gemeinschaftsschule light“. Statt einer verordneten Fusion setzt die FDP auf freiwillige Schul-Kooperationen. CDU-Bildungsexperte Sascha Steuer wartet wie Mutlu und Senftleben ebenfalls auf ein pädagogisches Konzept. Sonst hält sich die CDU bedeckt: Sie will auf einem bildungspolitischen Kongress am 12. Januar ihr eigenes Schulmodell präsentieren.

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