Bildungspolitik : Berliner SPD: Lehrer wieder verbeamten

Die rot-rote Koalition in Berlin ist uneins über die Rückkehr zur Verbeamtung von Lehrern. Die SPD will damit die Abwanderung der Lehrkräfte in andere Bundesländer stoppen. Die Linke hat für den Vorschlag nur einen Kommentar übrig: "Rückwärts gewandt."

Till Erdtracht,Christina Schultze[ddp]

BerlinDie rot-rote Koalition streitet über eine mögliche Rückkehr zum Beamtenstatus bei Lehrern. Nach Ansicht von SPD-Landes- und Fraktionschef Michael Müller könnte dadurch eine Abwanderung von Junglehrern gestoppt werden. Linke-Vizefraktionschef Stefan Liebich bezeichnete den Vorschlag am Freitag als "rückwärtsgewandten Weg". Laut Bildungsverwaltung ist die Wiedereinführung der Verbeamtung aber derzeit kein Thema.

Viele Junglehrer verlassen die Stadt, weil sie in anderen Bundesländern den sicheren Beamtenstatus erhalten können und besser bezahlt werden. Nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nahmen im vergangenen Schuljahr etwa 200 Berliner Absolventen eine Stelle im Westen an. Zu bevorzugten Einsatzorten gehören den Angaben zufolge Niedersachsen, Hamburg und Baden-Württemberg.

Verbeamtung in Berlin hoheitlichen Aufgaben vorbehalten

Müller sagte der "Berliner Zeitung": "Wenn es dabei bleibt, dass andere Länder anders als Berlin weiter verbeamten, müssen auch wir prüfen, ob wir hier nicht einen anderen Weg einschlagen." In Berlin ausgebildete Lehrer müssten im Land gehalten werden. Es gehe dabei vor allem um Pädagogen mit begehrten Fächerkombinationen.

Die Linkspartei lehnt die Überlegungen des Koalitionspartners ab. Liebich sagte, die Koalition habe sich vor Jahren bewusst entschieden, auf die Verbeamtung von Lehrern zu verzichten. Zum einen wollte sie damit die Pensionslasten eindämmen. Außerdem sollte die Verbeamtung auf sogenannte hoheitliche Aufgaben wie Polizei, Feuerwehr oder Strafvollzug beschränkt werden. Seit 2004 werden Lehrer in Berlin nicht mehr verbeamtet.

Koalition: Schuldienst muss attraktiver werden

Einig sei sich die Linke mit der SPD, dass der Schuldienst attraktiver gemacht werden müsse, betonte Liebich. Ein "Hebel" dafür sei der im Frühjahr geschlossene Tarifvertrag für Lehrer, der die Zahlung von Weihnachtsgeld und Gehaltserhöhungen ab 2010 vorsieht. Außerdem könnten "neue, innovative Modelle wie die Gemeinschaftsschule", in der die Kinder mindestens bis zur zehnten Klasse gemeinsam lernen sollen, dazu beitragen.

Die GEW dringt darauf, den "Konkurrenznachteil" Berlins gegenüber anderen Bundesländern schnell wieder auszugleichen. Auf eine Wiedereinführung der Verbeamtung könne aber verzichtet werden, wenn die Gehälter an das Niveau der anderen Länder angepasst würden, betonte Sprecher Peter Sinram. Allein in Hamburg gebe es mittlerweile eine dreistellige Zahl von Lehrern, die einst in Berlin ihren Abschluss erworben hätten. "Die haben dort schon einen eigenen Stammtisch", betonte er.

Die Bildungsverwaltung verweist darauf, dass rund 50 Junglehrer aus anderen Bundesländern nach Berlin gekommen seien. Ein Sprecher betonte zudem, dass in Berlin derzeit kein Lehrermangel herrsche. Seit Jahresbeginn seien 816 neue Pädagogen eingestellt worden. "Wir haben keine Probleme, qualifiziertes Lehrpersonal zu finden", sagte er. Hilfreich sei gewesen, dass der Einstellungstermin um ein paar Wochen vorgezogen worden sei. Zu einem früheren Zeitpunkt gebe es noch eine größere Auswahl an Bewerbern.

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