Bildungspolitik : Hamburg und Baden-Württemberg werben um Berliner Lehrer

Der Lehrermangel gefährdet den Unterricht an den Berliner Schulen. Anderen Bundesländern fehlen auch Lehrer. Baden-Württemberg und Hamburg gehen nun in die Offensive. Sie wollen die Berliner sofort anheuern.

MünchenBaden-Württemberg und Hamburg werben um Lehrer, die Berlin wegen mangelnder Karrierechancen verlassen wollen. "Sie können sich bei uns melden", sagte der stellvertretende Sprecher im Kultusministerium in Baden-Württemberg, Hansjörg Blessing, dem Nachrichtenmagazin "Focus" laut Vorabbericht. Dem Land fehlten 400 Gymnasial- und 200 Berufsschullehrer. Ohnehin plane das Ministerium eine Werbekampagne mit Plakaten und Anzeigen.

Hamburger Schulverwaltung: "Wir verbeamten sofort"

"Damit machen wir auch vor den Stadtgrenzen Berlins nicht halt", sagte Blessing. Besonders gefragt seien Lehrer für Naturwissenschaften sowie Metall- und Elektrotechnik. Die Sprecherin der Hamburger Schulbehörde, Annegret Witt-Barthel, sagte dem Blatt: "Wir suchen verstärkt in den Mangelfächern Mathe, Physik und Latein. Im Gegensatz zu Berlin verbeamten wir auch Junglehrer sofort."

Trotz aller Bemühungen von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) drohen mehr als 120 junge Berliner Lehrer weiter mit Abwanderung in andere Bundesländern. Der Sprecher der Lehrer-Initiative "Verbeamtung Jetzt", Thorsten Ulrich, sagte im RBB-Inforadio, er und seine Kollegen würden ihre Bewerbung nicht ruhen lassen. Zöllner habe bei einem Treffen am Donnerstag zwar seinen Willen bekundet, die abwanderungswilligen Pädagogen zu halten. Konkrete Zusagen seien aber nicht gemacht worden. Seit 2004 werden Lehrer in Berlin nicht mehr verbeamtet, vor allem um die Pensionslasten einzudämmen.

Berliner Lehrer: "Wir gucken uns die Angebote sehr genau an"

Ulrich betonte, die Initiative habe auch keine Zusagen erwartet. Vielmehr sei es darum gegangen, die Freigabe für die Bewerbung in andere Bundesländer zu bekommen. "Wir werden uns die Angebote etwa aus Hamburg, Niedersachsen oder Hessen anschauen und dann entscheiden, ob wir Berlin noch eine Chance geben oder nicht". Dies gebe dem Senat noch Zeit, "ein Angebot auf den Tisch zu legen". Auch könne die Landesregierung sich überlegen, ob sie der Notsituation nicht anders als "mit warmen Worten" begegnen wolle.

Nach den Worten des Sprechers der Initiative ist der Beamtenstatus für das Land kurzfristig billiger und auch auf die Dauer "mindestens ein Nullsummenspiel". Derzeit sei die Verbeamtung aber "politisch ein unbeliebtes Kind". Ulrich hob hervor, der Einkommensunterschied zwischen angestellten und verbeamteten Lehrern betrage bis zu 700 Euro netto monatlich. (ml/ddp)

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